Nierentranplantation Komplikationen
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Nierentransplantationen verhelfen vielen schwerst nierenkranken Menschen zu einem Leben ohne Dialyse. Wenn keine sonstigen gesundheitlichen Probleme dagegen sprechen und eine Transplantation vom Nierenkranken gewünscht wird, dann ist eine Nierentransplantation die bevorzugte Therapie zur Behandlung einer chronischen Niereninsuffizienz. Trotz der positiven Bilanz dieser Therapiemöglichkeit kann eine Nierentransplantation auch zu Komplikationen führen:

Gelegentlich nimmt die neue Niere nach einer Transplantation nicht sofort ihre Arbeit auf („primäre Nichtfunktion"). Diese Komplikation kommt bei rund einem Viertel der Nierentransplantierten nach postmortaler Spende vor und bei etwa 5 % der Empfänger einer Nieren-Lebendspende. Die primäre Nichtfunktion ist meist vorübergehend bzw. behandelbar [1].

Ärzte erkennen Störungen der Nierenfunktion, indem sie die Urinausscheidung des Nierentransplantierten überwachen sowie den Serum-Kreatininwert bzw. die GFR (glomeruläre Filtrationsrate) bestimmen.

Die Gründe, warum ein Transplantat unzureichend bzw. gar nicht funktioniert, sind vielfältig. Das Organ kann beispielsweise durch eine zu lange Konservierungszeit oder die Einnahme nierenschädigender Medikamente beschädigt sein. Zudem können eine mangelhafte Durchblutung (Minderperfusion) des neuen Organs, Abstoßungsreaktionen gegen das Transplantat und Infektionen dazu führen, dass die Funktionsfähigkeit der transplantierten Niere beeinträchtigt wird. Je nach Ursache treffen die Ärzte unterschiedliche Maßnahmen, um das Problem zu beheben.

Nicht immer kann die neue Niere dadurch „gerettet" werden. Im ersten Jahr nach einer Nierentransplantation kommt es bei etwa 5 % der Patienten zu einem Transplantatversagen, d. h. die neue Niere funktioniert nicht ausreichend [1]. Dann wird wieder eine regelmäßige Dialysebehandlung notwendig.

Grundlagen zu >>Abstoßungsreaktionen und zur >>Infektionsgefahr werden in der Etappe „Die ersten Monate" erklärt.

Wie nach jeder Operation können in den ersten Tagen und Wochen auch Wundheilungsstörungen, Blutungen und Thrombosen auftreten. Diese kommen selten vor und sind behandelbar.

Komplikationen vorbeugen

Auch wenn die neue Niere zu arbeiten begonnen hat, ist es wichtig, regelmäßig die empfohlenen Kontrolluntersuchungen wahrzunehmen. Bei diesen Terminen kontrolliert der Arzt unter anderem, wie leistungsfähig die neue Niere ist.

Transplantierte können auch selbst dazu beitragen, möglichst früh auffällige Veränderungen zu bemerken, indem sie aufmerksam ihren Körper beobachten. Häufige Symptome einer Abstoßung sind u. a.:

  •     Abgeschlagenheit, Müdigkeit
  •     Verringerte Urinausscheidung
  •     Ödeme (Wasseransammlungen im Körper)
  •     Gewichtszunahme
  •     Erhöhter Blutdruck
  •     Temperaturanstieg, Fieber
  •     Schmerzen im Bereich der transplantierten Niere

Um wichtige Anzeichen einer Abstoßung langfristig im Blick zu behalten, ist es sinnvoll, zumindest in den ersten Wochen und Monaten nach der Transplantation täglich die Körpertemperatur, die Flüssigkeitsbilanz (Flüssigkeitsaufnahme und Urinmenge), das Gewicht sowie den Blutdruck zu messen und zu dokumentieren. Treten Probleme auf, kann der Arzt aus diesen Aufzeichnungen wichtige Schlüsse ziehen.

Langfristige Gesundheitsrisiken nach Nierentransplantation

Langfristige Gesundheitsrisiken nach Nierentransplantation
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Die erste Phase nach der Transplantation ist nun überstanden und die transplantierte Niere hat ihre Arbeit aufgenommen. Dennoch sind auch weiterhin regelmäßige Kontrolluntersuchungen notwendig, um das Überleben der neuen Niere zu sichern und die eigene Gesundheit zu schützen. Denn langfristig können u. a. folgende Erkrankungen bei Nierentransplantierten auftreten:

Chronische Allograftnephropathie

Die Chronische Allograftnephropathie (CAN) ist eine Erkrankung des Nierentransplantats, in deren Verlauf die Nierenfunktion kontinuierlich abnimmt. Sie kann sich über Monate oder Jahre erstrecken und ist der häufigste Grund für ein Versagen des neuen Organs nach dem ersten Jahr. Zehn Jahre nach der Transplantation zeigen sich in Gewebeproben (Biopsien) bei über der Hälfte der Transplantierten Zeichen einer CAN [1].

Früher wurde die Erkrankung mit einer chronischen Transplantatabstoßung gleichgesetzt. Heute weiß man jedoch, dass viele unterschiedliche Ursachen an der Entstehung einer chronischen Allograftnephropathie beteiligt sein können - neben (früheren) Abstoßungsreaktionen gegen das Transplantat sind dies z. B. eine Unterversorgung der Niere mit Blut sowie die jahrelange Einnahme von Calcineurinhemmern (CNI). Diese Wirkstoffklasse der Immunsuppressiva kann die Niere schädigen. Um diese Nebenwirkung der Calcineurinhemmer zu behandeln bzw. ihr vorzubeugen, passen Ärzte die immunsuppressive Behandlung für jeden Transplantierten individuell an.

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

Einen nach einer Transplantation aufgetretenen Diabetes mellitus bezeichnet man als PTDM (Post-Transplant-Diabetes) oder NODAT (New-Onset-Diabetes after Transplantation). Ursachen für diese Form des Diabetes können z. B. akute Abstoßungsreaktionen, Übergewicht, aber auch die Therapie mit Immunsuppressiva sein. Bei Auftreten dieser speziellen Form der Zuckerkrankheit können unterschiedliche >> Maßnahmen ergriffen werden.

Virus-Infektionen

Immunsuppressive Medikamente bewirken, dass das eigene Abwehrsystem das „fremde" neue Organ nicht angreift und zerstört. Aus diesem Grund sind sie für den langfristigen Erfolg einer Nierentransplantation unverzichtbar. Gleichzeitig schwächen Immunsuppressiva jedoch die Abwehr des Körpers gegen Viren und Bakterien, wodurch Nierentransplantierte u. a. anfälliger für Virus-Infektionen sind.

Ein für das Überleben des Transplantats sehr gefährlicher Erreger ist das Polyoma-BK-Virus. BK-Viren sind in der Bevölkerung sehr weit verbreitet, führen jedoch nur bei beeinträchtigtem Immunsystem zu Symptomen. Unter den Nierentransplantierten erkranken nur wenige an einer durch das Polyoma-BK-Virus ausgelösten Entzündung der Niere. Wenn es zu dieser Entzündung kommt, wird die Niere allerdings oft so stark geschädigt, dass es zu einem Nierenversagen kommt, das Transplantat also nicht mehr funktionsfähig ist.

Eine Möglichkeit, die Wahrscheinlichkeit einer Infektion zu senken, ist die optimale Einstellung der immunsuppressiven Therapie. Diese sollte dem Leitsatz „So viel wie nötig, so wenig wie möglich" folgen, um das Immunsystem nicht unnötig stark zu schwächen und gleichzeitig zuverlässig einer Abstoßung vorzubeugen. Um das Virus selbst zu bekämpfen, setzen Mediziner in manchen Fällen auf eine medikamentöse Antiviren-Therapie.

Weitere Informationen zu Infektionen sowie deren Vorbeugung und Behandlung finden Sie in unserem Spezialthema Infektionen nach Organtransplantation.

Stand:
07.12.2017

Autorin:
Dr. med. Susanne Rödel

Aktualisiert am:
22.12.2010, 20.05.2014, 07.12.2017

Erstellt am:
10.11.2009

Quellen:
[1] AQUA-Institut: Nierentransplantation – Bundesauswertung zum Erfassungsjahr 2012. (http://www.sqg.de/downloads/Bundesauswertungen/2012/bu_Gesamt_NTX_2012.pdf, zuletzt besucht am 12.05.2017)
[2] Bechstein WO, Wullstein C: Transplantation abdomineller Organe - Was gibt es Neues? 1. Auflage, UNI-MED Verlag, Bremen, 2005
[3] Moore J et al.: Predicting early renal allograft function using clinical variables. Nephrol Dial Transplant 2007; 22: 2669-77.
[4] Nankivell BJ et al.: The natural history of chronic allograft nephropathy. N Engl J Med 2003; 349(24): 2326-33.
[5] Herold G: Innere Medizin. Selbstverlag. Köln 2013