Nierentransplantation

Bei einer Nierentransplantation werden die beiden Nieren des Organempfängers in der Regel im Körper belassen. Vor Beginn der Operation wird dem Patienten ein Zugang zur Halsvene gelegt. Darüber können ihm Medikamente verabreicht werden. Außerdem wird ein Blasenkatheter gelegt.

Bereits vor der Operation präpariert der Operateur die Spenderniere, damit sie für die Transplantation bereit ist. Im Verlauf der Operation wird sie dem Patienten in das so genannte kleine Becken eingesetzt. Dazu muss der Chirurg mit einem bogenförmigen Schnitt an der entsprechenden Stelle den Körper öffnen.

Anschließend legt der Chirurg Beckenvene und Beckenarterie des Empfängers frei und verbindet diese mithilfe einer speziellen Technik mit der Nierenarterie und -vene des Spenderorgans. Nun schließt er den Harnleiter des neuen Organs an die Harnblase an. Am Ende der Transplantation legt er einen Drainageschlauch und beginnt damit, den Körper wieder zu verschließen. Die Operation ist damit beendet.

Eine Niere reicht vollkommen aus, um zukünftig das Blut des Patienten zu filtern.

Da jeder gesunde Mensch über zwei Nieren verfügt, sind die Voraussetzungen für eine Lebendspende sehr günstig. Circa 20 % aller transplantierten Nieren stammen in Deutschland mittlerweile von Lebendspendern - bei steigender Tendenz.

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Lebertransplantation

Bei einer Lebertransplantation wird zunächst der Bauch des Organempfängers geöffnet. Die kranke Leber wird aus den bindegewebigen Strukturen gelöst und die zu- und abgehenden Nerven und Gefäße freigelegt. Anschließend trennt der Chirurg den Gallengang möglichst nah der Leber ab.

Im nächsten Schritt des Eingriffs klemmt der Operateur die Leberarterie (Arteria hepatica propria), die Pfortader und Abschnitte der Hohlvene in Höhe der Leber ab. Damit ist die Leber vom Blutkreislauf getrennt. Dann entfernt er die kranke Leber aus dem Körper des Empfängers und bringt die gespendete Leber ein.

Nun wird damit begonnen, das Spenderorgan an die Gefäße des Patienten anzuschließen. Der operierende Arzt verbindet zuerst die Hohlvene und anschließend die Pfortader und Leberarterie von Spenderorgan und Empfänger.

Die vormals abgeklemmten bzw. abgebundenen Gefäße werden nun wieder freigegeben, wodurch die Leber wieder durchblutet wird. Die im Anschluss auftretenden Blutungen werden gestillt. Nun verbindet der Chirurg als letzte Struktur den Gallengang des Spenderorgans mit dem des Organempfängers. Zum Ende des Eingriffs legt der Arzt noch Drainagen im Bereich der frischen Gefäßverbindungen und beginnt anschließend damit, den Bauch wieder zu verschließen.

Bei Splitleber- oder Dominotransplantationen sowie bei Lebendspenden von Leberteilen weicht der Ablauf der Operation in einzelnen Details vom hier beschriebenen ab. Das Prinzip der Teilleberspende ist in der Abbildung dargestellt.

Herztransplantation

Zu Beginn einer Herztransplantation wird der Brustkorb des Organempfängers durch eine Längsteilung des Brustbeins geöffnet. Anschließend wird die Herz-Lungen-Maschine mithilfe von Kanülen an die Hauptschlagader und die beiden Hohlvenen und die Hauptschlagader angeschlossen. Die Herz-Lungen-Maschine übernimmt vorübergehend die Aufgabe des Herzens.

Nun kann der operierende Arzt die Hauptschlagader (Aorta) abklemmen und damit beginnen, das kranke Herz zu entnehmen. Dazu werden Haupt- und Lungenschlagader durchtrennt. Teile des rechten und linken Vorhofs verbleiben im Körper.

Nun präpariert der Chirurg das Spenderherz, um es auf den Einsatz beim Patienten vorzubereiten. Anschließend beginnt er damit, das Spenderherz einzusetzen. Dazu zieht er eine Naht, die die im Körper verbliebenen Teile der Vorhöfe mit denen des Spenderherzens verbindet. Weiterhin bildet die Naht eine Verbindung zwischen Lungen- und Hauptschlagader des Patienten mit den jeweiligen Gefäßstümpfen des neuen Organs. Bevor die Naht ihr Ende erreicht hat und das neue Herz vollständig transplantiert ist, wird das Herz entlüftet.

Bei einer anderen, seltener angewandten, Operationstechnik werden die Vorhöfe des kranken Herzens komplett entfernt und das Spenderherz an die Lungenvene und die Hohlvenen des Empfängers angeschlossen.

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Lungentransplantation

Eine Lungentransplantation kann mithilfe so genannter minimal-invasiver Verfahren oder mit Öffnung des Brustkorbs durchgeführt werden. Bei ersterer Methode treten weniger schwere Gewebeschädigungen auf, weshalb die Rehabilitationszeit verkürzt ist. Ein Nachteil dieser Technik ist der geringere Platz für den Operateur beim Zugang in den Brustkorb.

Es können ein einzelner oder beide Lungenflügel übertragen werden. Beide Formen der Lungentransplantation finden ungefähr gleich häufig statt. Die folgende Beschreibung orientiert sich an der Transplantation eines Lungenflügels: Nachdem der Zugang zur Lunge durch das entsprechende Verfahren hergestellt ist, entfernt der Operateur den kranken Lungenflügel. Dazu durchtrennt er den Hauptbronchus (Hauptast der Bronchien), die Lungenarterie sowie die Lungenvenen des entsprechenden Lungenflügels und entnimmt den Lungenflügel anschließend. Es kann sein, dass der Patient während dieser Prozedur an eine Maschine angeschlossen wird, die den Blutkreislauf aufrecht erhält.

Daraufhin setzt der Chirurg das Spenderorgan ein und verbindet – mithilfe von Nähten – Hauptbronchus, Lungenarterie und Lungenvenen des Spenderorgans mit den entsprechenden Gefäßen des Empfängers. Dabei ist zu beachten, dass keine Einengungen entstehen und das Gewebe um den Bronchus geschont wird. Dies ist deshalb besonders wichtig, weil das Bronchialsystem des neuen Organs nach einer Transplantation über keine eigene Blutversorgung mehr verfügt. Die Blutzufuhr der Bronchien erfolgt dann über das Gefäßsystem der Lunge.

Anschließend verschließt der Operateur den (teilweise) geöffneten Brustkorb wieder.

Pankreastransplantation

Bei einer Transplantation der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) besteht die Standardtherapie darin, das gesamte Organ inklusive eines Teils des Zwölffingerdarms (Duodenum) zu übertragen.

Um die Transplantation durchzuführen, öffnet der Chirurg den Bauch sowie das Bauchfell (Peritoneum). Das Pankreas wird meist auf die rechte Körperseite transplantiert. Dort liegen die Venen günstiger, um das Organ an die Blutversorgung anzuschließen. Ist der Bauchraum geöffnet, müssen zunächst die benötigten Blutgefäße freigelegt werden. Dann werden die Gefäße des Spenderorgans durch eine Naht mit den Gefäßen des Empfängers verbunden.

Die von der Bauchspeicheldrüse produzierten Verdauungssäfte werden in einen Abschnitt des Dünndarms (enterale Drainage) geleitet. Bei der enteralen Drainage verbindet der Chirurg den mit der Spender-Bauchspeicheldrüse zusammenhängenden Teil des Zwölffingerdarms mit einem anderen Darmabschnitt.

Die enterale Drainage kann mittlerweile als Standardtechnik angesehen werden. Sie ist in der Abbildung dargestellt.

Eine Pankreastransplantation wird bei Patienten mit Typ-1-Diabetes vorgenommen, die unter schweren Folgeschäden ihres Diabetes leiden. Eine häufige Folgeschädigung ist ein chronisches Nierenversagen. Wenn ein chronisches Nierenversagen vorliegt, wird meist eine kombinierte Nieren-Pankreas-Transplantation durchgeführt. Die Niere wird dann auf die Gegenseite (links) transplantiert.

 

Stand: 05.12.2017

Autorin:
Dr. med. Susanne Rödel

Aktualisiert am:
02.09.2010, 20.05.2014, 05.12.2017

Erstellt am:
19.08.2009

Quellen:
[1] Bechstein WO, Wullstein C et al.: Transplantation abdomineller Organe - was gibt es Neues? Unimed Verlag, Bremen 2005
[2] Krukemeyer MG, Lison AE: Transplantationsmedizin. De Gruyter Verlag, Berlin 2006
[3] Medizinischer Beirat von „Transplantation verstehen"
[4] Schmid C, Hirt S, Scheld HH: Leitfaden Herztransplantation. 3. Auflage, Steinkopff Verlag 2012.
[5] Matthys H, Seeger W: Klinische Pneumologie. Springer Verlag, Berlin 2008