Mögliche Komplikationen in den ersten Monaten nach einer Herztransplantation
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Eine Herztransplantation kann das Leben eines schwer kranken Menschen retten und seine Lebensqualität deutlich verbessern. Da es sich um einen schwerwiegenden Eingriff handelt und man sich nach der Transplantation kontinuierlich gegen eine Abstoßung des Spenderorgans schützen muss, birgt eine Herztransplantation auch einige Risiken. Daher ist es gut, wenn sich Herztransplantierte über mögliche Komplikationen informieren und sich bei ihrem Arzt melden, sobald körperliche Beschwerden auftreten.

Die Operationstechnik selbst ist für erfahrene Herzchirurgen nicht schwierig. Mitunter kann die Entwöhnung von der Herz-Lungen-Maschine allerdings etwas schwieriger sein als bei anderen Herzoperationen: Damit man den Kreislauf des Patienten von der Maschine lösen kann, muss das frisch transplantierte Herz seine Arbeit an die Druckverhältnisse im Kreislauf des Empfängers anpassen [1].

Wie nach jeder Operation können in den ersten Tagen und Wochen auch Wundheilungsstörungen, Blutungen und Thrombosen auftreten. Diese kommen jedoch selten vor und sind behandelbar.

In den folgenden Monaten muss eine Kombination von immunsuppressiven Medikamenten in relativ hoher Dosierung eingenommen werden, damit das transplantierte Herz nicht vom Immunsystem des Empfängers abgestoßen wird. Diese notwendige Schwächung des Immunsystems erhöht das Risiko für Infektionen. Grundlagen zu Abstoßungsreaktionen werden in der Etappe „Die ersten Monate“ erklärt. Über Infektionen informiert das Spezialthema „Infektionen nach Organ­transplantation“.

Akute Abstoßung

Ein Herztransplantierter hat durchschnittlich 1 bis 2 akute, meist milde verlaufende, Abstoßungen im ersten Jahr nach der Transplantation [2]. Da die Immunsuppression sehr genau auf den individuellen Bedarf des Transplantierten abgestimmt werden muss (nicht zu viel, nicht zu wenig), sind Abstoßungsreaktionen nichts Ungewöhnliches. Sie müssen allerdings schnell diagnostiziert und rechtzeitig behandelt werden, damit die Leistungsfähigkeit des Herzens nicht gefährdet bzw. dauerhaft eingeschränkt wird.

Wenn der Verdacht auf eine akute Abstoßungsreaktion besteht, wird eine Gewebeprobe (Biopsie) aus der Herzwand entnommen. Dazu wird ein Katheter in eine Halsvene geschoben und bis in die rechte Herzkammer geführt. An der Spitze des Katheters ist eine winzig kleine Zange, mit welcher kleine Gewebestückchen entnommen werden können. Die mikroskopische Untersuchung dieser Gewebeprobe zeigt dann, ob eine Abstoßungsreaktion vorliegt und wie schwerwiegend diese ist [1,2].

Die Beurteilung des Schweregrads einer Abstoßung erfolgt nach einer Klassifikation der „International Society for Heart and Lung Transplantation (ISHLT)". Sie umfasst vier „ISHLT-Grade". Die Behandlung ist abhängig vom histologischen Schweregrad wie auch dem klinischen Verlauf und besteht zumeist in der Verabreichung hochdosierter Kortikosteroide („Kortison") über drei aufeinanderfolgende Tage [1,2]. Es gibt auch Abstoßungsreaktionen, die man nicht in der Biopsie erkennen kann und für deren Diagnostik nach der Entwicklung von spenderspezifischen Antikörpern im Blut des Empfängers gesucht wird.

Komplikationen vorbeugen

Das Einnehmen der Medikamente entsprechend der Verschreibung ist eine Grundvoraussetzung, um Komplikationen vorzubeugen. Außerdem ist es wichtig, regelmäßig die empfohlenen Kontrolluntersuchungen wahrzunehmen. Bei diesen Terminen überprüft der Arzt unter anderem, wie leistungsfähig das neue Herz ist.

Transplantierte können auch selbst dazu beitragen, möglichst früh auffällige Veränderungen zu bemerken, indem sie aufmerksam ihren Körper beobachten. Häufige Symptome einer Abstoßung nach Herztransplantation sind z. B. [1]:

  • Geringere Belastbarkeit
  • Luftnot
  • Gewichtszunahme durch Ödeme (Wasseransammlungen im Körper)
  • Herzrhythmusstörungen (unregelmäßiger Herzschlag bzw. Puls)
  • Temperaturanstieg, Fieber

Um wichtige Anzeichen einer Abstoßung langfristig im Blick zu behalten, ist es sinnvoll, zumindest in den ersten Wochen und Monaten nach der Transplantation täglich die Körpertemperatur, den Blutdruck, die Flüssigkeitsbilanz (Flüssigkeitsaufnahme und Urinmenge) sowie das Gewicht zu messen und zu dokumentieren. Treten Probleme auf, kann der Arzt aus diesen Aufzeichnungen wichtige Schlüsse ziehen.

Langfristige Gesundheitsrisiken nach Herztransplantation

Ist die erste Phase nach der Herztransplantation überstanden, kann in der Regel ein nahezu normaler Alltag gelebt werden. Manche Transplantierte können wieder einen Beruf ausüben. Da eine gewisse Abwehrreaktion des Immunsystems gegen das transplantierte Herz kontinuierlich unterdrückt werden muss, gehören zu den langfristigen Risiken:

  • eine chronische Abstoßung sowie
  • Folgeerkrankungen durch die jahrelange immunsuppressive Behandlung.

Ein Jahr nach der Transplantation funktionieren (in Deutschland) noch etwa 76 Prozent der transplantierten Herzen, nach 5 Jahren sind es etwa 67 Prozent. Versagt das transplantierte Herz, kann manchmal eine erneute Transplantation das Leben der Transplantierten retten. Die häufigsten Todesursachen bei Herztransplantierten sind eine chronische Abstoßung des Spenderherzens und eine Herzinsuffizienz [1].

Chronische Abstoßung

Die chronische Abstoßungsreaktion gegen ein transplantiertes Herz äußert sich durch eine Transplantatarteriosklerose (auch Transplantatvaskulopathie genannt). Darunter versteht man eine Verdickung der Gefäßwände, vor allem der kleinen Herzkranzgefäße. Sie kann zur Verengung und schließlich zum Verschluss der Gefäße führen. Neben der chronischen Abstoßungsreaktion gibt es noch weitere Faktoren, welche zur Entwicklung einer Transplantatvaskulopathie beitragen [2,3].

Bei mehr als 50 Prozent der Herztransplantierten entsteht innerhalb von 5 Jahren nach der Transplantation eine Transplantatvaskulopathie [3]. Immunsuppressiva aus der Substanzklasse der mTOR-Hemmer können die Entwicklung einer Transplantatarteriosklerose verlangsamen [2,3].

Weitere Gesundheitsrisiken

Die jahrelange Behandlung mit Immunsuppressiva erhöht langfristig u. a. das Risiko für:

Stand:
06.12.2017

Autorin:
Dr. med. Susanne Rödel

Erstellt am:
15.07.2010

Aktualisiert am:
20.05.2014, 06.12.2017

Quellen:
[1] Medizinischer Beirat von „Transplantation verstehen"
[2] Schmid C, Hirt S, Scheld HH: Leitfaden Herztransplantation. 3. Auflage, Steinkopff Verlag 2012.
[3] Deutsche Stiftung Organtransplantation http://www.dso.de/ (zuletzt besucht am 11.05.2017)
[4] Hunt SA: Taking Heart - Cardiac Transplantation Past, Present, and Future. N Engl J Med 2006; 355(3): 231-5.
[5] Avery RK: Cardiac-Allograft Vasculopathy. N Engl J Med 2003; 349(9): 829-30.
[6] Schmid C, Hirt S, Scheld HH: Leitfaden Herztransplantation. 3. Auflage, Steinkopff Verlag 2012.