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In den Monaten nach der Transplantation baut man sich nach und nach ein neues Alltagsleben auf. Die Häufigkeit der Arztbesuche nimmt nun in der Regel deutlich ab. Das Gleiche gilt auch für die Anzahl der Medikamente. Dadurch entsteht auch wieder mehr Raum für andere Bereiche des Lebens. Zum Beispiel kann man sich Gedanken über einen Wiedereinstieg in den Beruf machen. Oft wird empfohlen, in den ersten drei bis sechs Monaten nach einer Transplantation noch nicht zu arbeiten. Jeder Transplantierte kann jedoch in Absprache mit den betreuenden Ärzten selbst entscheiden, wann er wieder zu arbeiten beginnt. Der Wiedereinstieg ins Berufsleben stellt für Transplantierte einen wichtigen Schritt in Richtung Normalität dar.

Ein schönes Detail im Alltagsleben vieler Transplantierter sind Haustiere. Bei der Frage, ob transplantierte Menschen wegen der erhöhten Infektionsgefahr ein Haustier haben dürfen, gehen die Meinungen der Mediziner jedoch auseinander. Deshalb sollte dieses Thema am besten mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Blumenerde und insbesondere Kompost enthalten eine Vielzahl von Bakterien und Erregern, z. B. Pilzen. Deshalb sollten Transplantierte bei der Garten- und Pflanzenpflege einige Dinge beachten, um die Gefahr von Infektionen zu senken:

  • Umstieg auf Hydrokulturen oder Tongranulat im Innenbereich
  • Tragen von Schutzhandschuhen und ggf. Schutzmasken, insbesondere bei erhöhter Staubentwicklung

Zusätzlich ist bei der Gartenarbeit - wie bei jedem Aufenthalt im Freien - ein ausreichender Schutz vor der UV-Strahlung wichtig. Lesen Sie mehr zum Thema
Sonnenschutz in unserem Spezialthema „Sommer".

Eine hohe Infektionsgefährdung über die Atemwege geht auch von den sogenannten „gelben Säcken“ zum Plastikrecycling aus. Da diese oft tagelang mit teilweise auch nichtgereinigtem Abfall bei mitunter warmen Temperaturen herumstehen, ist hier eine ganz besondere Vorsicht beim Öffnen angebracht.

Keimarme Ernährung nach der Transplantation

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Nach einer Transplantation ist in der Regel eine normale Ernährung mit einigen wenigen Einschränkungen möglich. Wie für alle Menschen ist auch für Transplantierte ein möglichst gesunder und ausgewogener Speiseplan sinnvoll.

Besonders in den ersten Monaten nach der Transplantation ist es ratsam, einige Hinweise zur Ernährung zu beachten:

Wegen der hohen Dosis der immunsuppressiven Medikamente ist das Abwehrsystem noch nicht in der Lage, sich ausreichend gegen bestimmte Keime zu wehren. Um Infektionen zu vermeiden, wird für diese Zeit eine so genannte "keimarme Kost" empfohlen. Eine keimarme Ernährung bezieht sich sowohl auf die Auswahl als auch auf die Zubereitung der Speisen. Rohes Fleisch, roher Fisch (Sushi, Matjes), rohe Eier und Rohmilchprodukte können bedenkliche Mengen an Keimen enthalten. Deshalb ist es empfehlenswert, derartige Nahrungsmittel vor dem Verzehr durchzugaren. Ist dies nicht möglich, gibt es meist eine schmackhafte Variante, gegen die das jeweilige Produkt ausgetauscht werden kann.

Wer Lust auf rohes Obst und Gemüse hat, sollte dies unbedingt gründlich waschen. Es ist empfehlenswert, schälbaren Früchten den Vorzug zu geben - mit einer Einschränkung: Grapefruits und Grapefruitsaft können den Medikamentenspiegel einiger Immunsuppressiva erhöhen. Sie gehören daher nicht auf den Speiseplan! Besondere Vorsicht ist auch bei Nüssen geboten. Nicht selten sind sie mit Schimmelpilzen belastet.

Bei der Wahl der Getränke gilt: Je frischer, desto besser. In Gaststätten sollten Getränke ohne Eiswürfel bevorzugt werden. Wer wenig oder gar keinen Alkohol trinkt, ist generell gut beraten. Die Leber transplantierter Menschen hat bereits mit dem Abbau von Medikamenten viel zu tun.

In unserem Service-Bereich finden Sie die Broschüre „Meine Transplantation von A bis Z" zum Download. Sie enthält ein ausführliches Kapitel zur keimarmen Ernährung nach einer Transplantation.

Reisen in den ersten Monaten nach Transplantation

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Reisen sind eine gute Möglichkeit, sich zu entspannen und den Kopf frei zu bekommen. Bereits das Durchbrechen der täglichen Routine, die Luftveränderung und die andere Umgebung wirken entspannend auf Körper und Geist. Verständlich, dass auch Transplantierte in den ersten Monaten nach dem Eingriff eine kurze Auszeit vom Alltag zu schätzen wissen.

In den ersten drei bis sechs Monaten nach der Transplantation gelten für Transplantierte jedoch einige Einschränkungen, was die Dauer und das Ziel einer Reise betrifft. Es besteht noch ein enger Kontakt zum Transplantationszentrum mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen. Deshalb sind zunächst kurze Reisen (z. B. ein verlängertes Wochenende) zu empfehlen, damit die notwendigen Untersuchungstermine wahrgenommen werden können.

Das Reiseziel sollte nicht zu weit entfernt liegen und gut erreichbar sein. Falls gesundheitliche Beschwerden auftreten, sollte man innerhalb weniger Stunden im Transplantationszentrum sein können. Sollte es doch einmal weiter weg gehen, beachten Sie bitte auch unsere Empfehlungen in der Etappe „Das neue Leben“. Bei Reisen in weiter entferntes Ausland sollte man sich in jedem Fall vom Transplantationszentrum einen englischsprachigen Arztbrief mitgeben lassen und in Eigenverantwortung eine ausreichende Menge der erforderlichen Medikamente mitnehmen.

Impfungen nach Transplantation

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Für Transplantierte gelten hinsichtlich des Impfens einige Besonderheiten:

Je nachdem, gegen welche Erkrankung eine Impfung erfolgt, setzen Ärzte entweder Lebendimpfstoffe oder Totimpfstoffe ein. Bei den Lebendimpfstoffen werden noch lebende, aber stark abgeschwächte Viren gespritzt. Diese können von einem normal arbeitenden Immunsystem abgewehrt werden, was eine Immunisierung gegen den Erreger bewirkt. Totimpfstoffe bestehen aus bereits abgetöteten Viren. Diese lösen nach einer Injektion ebenfalls eine schützende Reaktion des Immunsystems aus.

Impfungen mit Lebendimpfstoffen sind bei Menschen, die Immunsuppressiva einnehmen, nicht mehr möglich. Es besteht die Gefahr, dass das Immunsystem nicht stark genug ist, um die gespritzten Viren zu bekämpfen.

Impfungen mit Totimpfstoffen sind hingegen auch bei transplantierten Menschen möglich. Da das Immunsystem jedoch in der Frühphase nach einer Transplantation noch keine ausreichende Immunantwort geben kann, sind Impfungen im ersten Jahr nach der Transplantation nicht sinnvoll. Aus diesen Gründen empfehlen Mediziner, so viele Impfungen wie möglich schon im Vorfeld einer Organtransplantation durchzuführen.

Generell müssen alle Impfungen mit dem Transplantationszentrum abgesprochen werden. Zudem muss der impfende Arzt wissen, dass Immunsuppressiva eingenommen werden, da zum Teil eine häufigere Wiederholung der Impfung als üblich erforderlich ist, bis ein ausreichender Impfschutz erreicht wird (z. B. FSME-Impfung).

Stand:
05.12.2017

Autorin:
Dr. Med. Susanne Rödel

Aktualisiert am:
02.09.2010, 20.05.2014, 05.12.2017

Erstellt am:
19.08.2009

Quellen:
[1] Krukemeyer MG, Lison AE: Transplantationsmedizin. De Gruyter Verlag, Berlin 2006
[2] Medizinischer Beirat von „Transplantation verstehen"
[3] Informationsbroschüre „Meine Transplantation von A bis Z", Novartis Pharma GmbH
[4] Informationsbroschüre der Nephrologischen Klinik Erlangen für transplantierte Patienten und deren Angehörige (2009)