Nach der Transplantation ist am wichtigsten, dass das neue Organ seine Arbeit aufnimmt, also gut funktioniert. Daher wird die Organfunktion mit verschiedenen Untersuchungen engmaschig überwacht. Kommt es zu Problemen, können die Ärzte frühzeitig geeignete Maßnahmen ergreifen. Für die Überwachung des neuen Organs können u. a. folgende Methoden zum Einsatz kommen:

  • Blutuntersuchungen
  • Blutzuckermessungen
  • Ultraschall-Untersuchungen
  • Urinuntersuchungen
  • Elektrokardiogramm (EKG)
  • Körperliche Untersuchungen
  • Biopsien

Für jedes Organ gibt es spezielle Untersuchungen oder Blutwerte, mit denen die Funktion des Organs überprüft wird:

  • Niere: Serum-Kreatinin, glomeruläre Filtrationsrate (GFR), Kreatininclearance
  • Leber: Serumkonzentrationen von GOT, GPT, Bilirubin, Cholinesterase
  • Herz: Herzultraschall (Echokardiogramm)
  • Lunge: Blutgasmessungen, Lungenfunktionsuntersuchungen
  • Pankreas: Serum-Lipase, Serum-Amylase

Ein erhöhtes Risiko für Komplikationen besteht nach einer Herztransplantation. Wenn die Durchblutung innerer Organe vor oder während der OP oder auch danach gestört ist, kann es zu Funktionsstörungen dieser Organe kommen. Insbesondere Nieren, Leber und endokrine Organe sind dadurch gefährdet. In bis zu 30 % der Fälle kommt es vorübergehend zu einer dialysepflichtigen Niereninsuffizienz. Die engmaschigen Untersuchungen im Anschluss an die Transplantation sichern jedoch, dass Probleme frühzeitig erkannt und therapiert werden.

Um die Erholung im Anschluss an eine Transplantation zu unterstützen, werden Transplantierte von einem Team medizinischer Fachkräfte betreut. Zu dieser Betreuung gehören meist auch Schulungen, in denen Organempfänger Informationen über das richtige Verhalten mit einem neuen Organ aufgeklärt werden. Transplantierte sollen so früh wie möglich „Experten" für ihren eigenen Körper werden und in gewissem Maße selbst die Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen.

Eine Voraussetzung für das Funktionieren des transplantierten Organs ist die Vorbeugung von Abstoßungsreaktionen.

Vorbeugung einer Abstoßung

Da das transplantierte Organ für den Körper fremdes Gewebe ist, würde es normalerweise schnell zu einer Abwehrreaktion kommen. Diese Abwehrreaktion des Immunsystems wird auch Abstoßung genannt.

Bereits die Zuteilung von Organen durch die niederländische Stiftung Eurotransplant erfolgt unter der Maßgabe, Abstoßungsreaktionen des Empfängers gegen das Transplantat möglichst gering zu halten (durch die Auswahl immungenetisch möglichst passender Organe, insbesondere bei der Nierentransplantation). Diese Maßnahmen reichen jedoch nicht aus, um Abstoßungen vollständig zu verhindern.

Das Überleben und Funktionieren des neuen Organs im Körper ist nur möglich, wenn die Abstoßung durch Medikamente unterdrückt wird. Diese Medikamente nennt man Immunsuppressiva. Meist werden sie als Tabletten, Kapseln oder Saft eingenommen. Für die Immunsuppression stehen mehrere Wirkstoffe zur Verfügung, die an unterschiedlichen Stellen des Immunsystems ansetzen. In der Regel wird eine Kombination verschiedener Wirkstoffe verabreicht.

Bei der Gabe von Immunsuppressiva ist es besonders wichtig, die richtige Dosis zu finden. Es gilt, Abstoßungsreaktionen zu vermeiden und gleichzeitig die Funktionsfähigkeit des Immunsystems nicht übermäßig herabzusetzen. Wenn das Immunsystem zu schwach ist, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von Infektionen. Außerdem können Immunsuppressiva noch andere Nebenwirkungen haben, die bei höherer Dosierung stärker ausgeprägt sind.

Regelmäßige Untersuchungen (z. B. Blutuntersuchungen, Ultraschall) helfen, die optimale Dosis der Immunsuppressiva zu finden und frühzeitig Abstoßungsreaktionen des Körpers zu erkennen und darauf zu reagieren.

Die Immunsuppressiva müssen lebenslang eingenommen werden. Die Dosis kann allerdings im Laufe der Zeit verringert werden. Jedoch sollte man dies nicht eigenmächtig tun: Über Dosisänderungen kann nur der betreuende Arzt entscheiden.

Hinsichtlich der optimalen Dosierung und der Kombinationen verschiedener Immunsuppressiva sind noch viele Fragen offen. Daher besteht an allen Transplantationszentren ein großes Interesse, Patienten innerhalb von Studien zur Untersuchung dieser Fragen zu behandeln. Zumeist handelt es sich hierbei um die Erprobung neuer Medikamenten-Kombinationen. Nur sehr selten werden Studien durchgeführt, in denen neue, bislang am Menschen unerforschte, Substanzen hinsichtlich Ihrer Wirksamkeit überprüft werden. Wichtig ist es für alle Patienten, eine sehr gute und genaue Aufklärung über den Sinn und Hintergrund einer Studie zu erhalten.

Die ersten Monate

Der Aufenthalt im Krankenhaus dauert so lange, bis

  • der Transplantierte in einem stabilen Gesundheitszustand ist,
  • das neue Organ zuverlässig arbeitet und
  • der Transplantierte ausreichend für die neue Situation geschult ist (z. B. Medikamente nach Plan einnehmen, Patientenprotokoll führen, Vorsichtsmaßnahmen im Alltag beachten)

Je nach eingesetztem Organ und gesundheitlichem Zustand wird man entweder nach Hause oder in die Rehabilitationsklinik entlassen. Nach einer Nierentransplantation ist nicht immer ein Reha-Aufenthalt notwendig.

Wird man im Anschluss an den Aufenthalt im Krankenhaus oder in der Rehaklinik nach Hause entlassen, erfolgt die weitere medizinische Betreuung ambulant. Zunächst muss man sich noch häufig in der Ambulanz seines Transplantationszentrums vorstellen. Mit der Zeit werden die Termine im Transplantationszentrum seltener. Ein niedergelassener Facharzt ist ebenfalls an der Nachsorge beteiligt.

Es ist wichtig, dass sich Transplantierte gleich bei ihrem Transplantationszentrum melden, sobald irgendetwas nicht in Ordnung ist. Gerade in den ersten Wochen und Monaten kann es manchmal notwendig sein, dass man erneut für einige Tage im Krankenhaus betreut werden muss, z. B. wenn Infektionen auftreten oder die Dosis von Medikamenten unter genauer Kontrolle geändert werden muss.

In den ersten Monaten nach der Transplantation stehen die Erholung und die Gewöhnung an die neue Situation im Vordergrund.

Rehabilitation

Header Etappen Die ersten Monate Rehabilitation
Fotolia_13868131_R.-Andreas Klein

Nach einer Organtransplantation kann - je nach transplantiertem Organ und Zustand des Transplantierten - ein Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik empfehlenswert sein. Beispielsweise ist im Anschluss an eine Nierentransplantation eine Rehabilitation nicht bei allen Transplantierten notwendig, bei Lebertransplantationen hingegen immer.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Formen der Rehabilitation - die Frührehabilitation (Anschlussheilbehandlung) und die Spätrehabilitation. Von einer Frührehabilitation spricht man, wenn die Maßnahme innerhalb von 14 Tagen nach dem Verlassen der Klinik erfolgt. Für die Spätrehabilitation gibt es keine zeitliche Grenze. Da beide Formen zu verschiedenen Zeitpunkten ansetzen, unterscheiden sich auch ihre Ziele voneinander.

Ziele der Frührehabilitation sind:

  • Verbesserung der körperlichen Beweglichkeit und Leistungsfähigkeit (insbesondere der Kraft und Ausdauer)
  • Vorbeugung von Infektionen
  • Psychische Betreuung
  • Aufklärung und Schulung des Patienten zu seiner gesundheitlichen Situation und zur Durchführung spezieller Therapien
  • Unterstützung bei der Ernährungsumstellung und Trinkmengengestaltung
  • Erhaltung der Funktion des neuen Organs
  • bei manchen Patienten bereits Vorbereitung zur beruflichen Wiedereingliederung

Die Spätrehabilitation hat folgende Ziele:

  • Kontrolle der Funktionsfähigkeit des Transplantats
  • Kontrolle und (weitere) Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit
  • Beurteilung und Erhaltung der Arbeitsfähigkeit
  • Überprüfung von Blutdruck, Fettstoffwechsel und Zuckerstoffwechsel

Transplantierte, die nicht an einer Rehabilitationsmaßnahme teilnehmen, bekommen alle notwendigen Informationen, Untersuchungen und Behandlungen durch das zuständige Transplantationszentrum oder den behandelnden Arzt.

Es gibt auch Zentren für ambulante Rehabilitation mit ausschließlicher Tagesbetreuung und ambulante Rehasportgruppen. Die Sportgruppen werden meist über die Behindertensportverbände oder den jeweiligen Landessportbund organisiert. Es handelt sich dabei oft um organbezogene Gruppen, wie z. B. Herzsport, Lungensport etc., die neben Transplantierten auch Patienten mit verschiedenen Erkrankungen des jeweiligen Organs betreuen. Für die Teilnahme an einer ambulanten Rehasportgruppe benötigt man vom behandelnden Arzt eine Verordnung für Rehabilitationssport, die Kostenübernahme muss bei der Krankenkasse beantragt werden.

Stand:
05.12.2017

Autorin:
Dr. med. Susanne Rödel

Aktualisiert am:
02.09.2010, 20.05.2014, 05.12.2017

Erstellt am:
19.08.2009

Quellen:
[1] Krukemeyer MG, Lison AE: Transplantationsmedizin. De Gruyter Verlag, Berlin 2006
[2] Medizinischer Beirat von „Transplantation verstehen"
[3] Informationsbroschüre der Nephrologischen Klinik Erlangen für transplantierte Patienten und deren Angehörige (2009)