Vorbereitungen Lebendspende
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Hat ein nieren- oder leberkranker Patient einen oder mehrere nahe stehende Menschen, die zu einer Organspende bereit sind, wird in einer Reihe von Gesprächen und mithilfe medizinischer Untersuchungen überprüft, ob die Lebendspende ethisch und medizinisch vertretbar ist.

Dazu sind mehrere Termine im Transplantationszentrum notwendig. Der organisatorische Ablauf unterscheidet sich je nach Transplantationszentrum. Oft erfolgen in einem ersten, ambulanten Termin

  • eine Aufklärung über den Eingriff,
  • eine psychologische Einschätzung sowie
  • Blutentnahmen für verschiedene Untersuchungen und (nur bei der Nieren-Lebendspende) für die Kreuzprobe.

Im Aufklärungsgespräch informiert ein Arzt Spender und Empfänger umfassend über den Eingriff – unter anderem über die durchzuführenden Untersuchungen, die Risiken des Eingriffs, Maßnahmen zum Schutz des Spenders sowie die zu erwartende Erfolgsaussicht der Transplantation.

Für die erste psychologische Beurteilung wird der Spender über seine Beziehung zum Empfänger sowie seine Motivation für die Organspende befragt. Außerdem wird beurteilt, ob er sich über das Ausmaß seines Handelns bewusst und der Situation gewachsen ist.

Sofern die ersten Gespräche und medizinischen Untersuchungen eine Lebendspende nicht ausschließen, folgen weitere Untersuchungen, für die man entweder im Krankenhaus stationär aufgenommen wird oder zu mehreren ambulanten Terminen kommt.

Ausführlicheres Gespräch mit dem Psychologen

Im Rahmen dieser Untersuchungen erfolgt auch ein ausführlicheres Gespräch mit einem Psychologen. Das Gespräch wird jeweils einzeln mit dem Spender und dem Empfänger durchgeführt. Hierbei wird unter anderem darüber gesprochen, wie man den Eingriff und die verschiedenen möglichen Konsequenzen verarbeiten kann.

Eine Lebendspende kann nämlich von den unterschiedlichsten emotionalen Reaktionen begleitet sein – einige Beispiele, die zu Konflikten zwischen den Paaren oder Problemen der individuellen Verarbeitung führen können:

  • Schuldgefühle beim Spender („Wenn ich nicht helfe, könnte mein Partner/Angehöriger versterben.”)
  • Schuldgefühle beim Empfänger („Mein Partner/Angehöriger nimmt ein gesundheitliches Risiko auf sich.”)
  • Abhängigkeitsgefühle
  • Ärger/Vorwürfe des Empfängers, wenn potenzielle Spender nicht zu einer Spende bereit sind
  • Erwartung von Gegenleistungen, z. B. Dankbarkeit, von Seiten des Spenders
  • Enttäuschung/Depression beim Spender, wenn nach der Transplantation der Empfänger wieder mehr Aufmerksamkeit erhält (wegen der notwendigen intensiveren medizinischen Betreuung des Empfängers)
  • Vom Empfänger imaginierte oder reale „Besitzergefühle” des Spenders
  • Vorwürfe des Spenders, falls das Organ nach einiger Zeit versagt („Jetzt habe ich umsonst gespendet.”)
  • Schuldgefühle beim Spender, wenn das gespendete Organ nicht funktioniert

Es ist wichtig, über diese Dinge bereits im Vorfeld zu sprechen, damit Spender und Empfänger bewusst und mit einer positiven Einstellung die Operation und das „neue Leben” gemeinsam angehen können. Auch nach der Transplantation ist eine psychologische Begleitung sinnvoll.

Mithilfe bestimmter Fragebögen wird zudem überprüft, ob Spender oder Empfänger unter psychischen Problemen oder Persönlichkeitsstörungen leiden.

Entscheidung und Aufklärung

Nach Abschluss aller medizinischen und psychologischen Untersuchungen wird entschieden, ob die Transplantation aus ärztlicher Sicht durchgeführt werden kann. Ist dies der Fall, werden Spender und Empfänger nochmals ausführlich über den Eingriff aufgeklärt und müssen schriftlich einwilligen – dabei ist zusätzlich ein Arzt anwesend, der weder an der Entnahme noch an der Übertragung des Organs beteiligt sein darf.

Dann muss noch eine letzte Voraussetzung erfüllt sein: die Befragung durch die Lebendspende-Kommission

Medizinische Untersuchungen bei Spender und Empfänger

Medizinische Untersuchungen bei Spender und Empfänger
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Die medizinischen Voruntersuchungen werden auf mehrere Termine aufgeteilt:

  • Bei einem ersten ambulanten Termin wird überprüft, ob die Spende grundsätzlich möglich ist.
  • Danach werden beim Spender weitere Untersuchungen im Krankenhaus „stationär” gemacht. Sie dienen vor allem dazu, das Risiko für den Spender genauer einzuschätzen.

Anhand der Ergebnisse der Untersuchungen müssen die Ärzte entscheiden, ob die Lebendspende medizinisch sinnvoll und ethisch vertretbar ist. Sie müssen die Erfolgsaussichten für den Empfänger und die Risiken für den Spender gut abwägen. Schließlich wäre niemandem geholfen/etappen/die-operation/postmortale-spende.html, wenn nach der Transplantation das gespendete Organ nicht ausreichend funktionieren würde oder der Spender schwerwiegende gesundheitliche Schäden davontrüge.

Erster ambulanter Termin

Mit den ersten Blutproben wird unter anderem untersucht, welche Blutgruppen Spender und Empfänger haben. Passen die Blutgruppen von Spender und Empfänger nicht zusammen, kann eventuell eine AB0-inkompatible Spende durchgeführt werden. Weitere Tests dienen dem Ausschluss von Blutgerinnungsstörungen, Infektionen und anderen entzündlichen Vorgängen im Körper.

Bei der Leber-Lebendspende ist es sehr wichtig, dass auch das Gewicht von Spender und Empfänger „kompatibel” ist. Das Körpergewicht lässt Rückschlüsse auf die Größe bzw. das Volumen der Leber zu. Noch genauer ist die Ausmessung der Leber durch eine Computertomografie („CT-Volumetrie”). Eine Lebertransplantation ist nur sinnvoll, wenn das transplantierte Leberstück von seiner Größe her ausreicht, um die Stoffwechselfunktionen für den Körper des Empfängers zu übernehmen. Ist das Transplantat zu klein, leidet der Empfänger nach der Transplantation weiterhin an einer behandlungsbedürftigen Leberschwäche („Small-for-size-Syndrom”).

Im Vorfeld der Nieren-Lebendspende wird eine Kreuzprobe durchgeführt. Bei „positiver” Kreuzprobe sind im Blut des Empfängers Antikörper gegen das Gewebe des Spenders vorhanden – und eine Nieren-Lebendspende kann nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden.
Ausführliche Informationen zur Kreuzprobe

Weitere Untersuchungen

Welche weiteren Untersuchungen beim Spender vorgenommen werden, entscheidet das jeweilige Transplantationszentrum. Die Untersuchungen geben Information über

  • den allgemeinen körperlichen Zustand des Spenders und sein Operationsrisiko (z. B. Belastungs-EKG, Lungenfunktion, Röntgenaufnahme der Lunge, Gefäßultraschall bei älteren Spendern) sowie
  • den Zustand des zu transplantierenden Organs
    (z. B. Ultraschall, Magnetresonanztomografie, Computertomografie, ggf. Biopsie)

Beispielsweise wird vor einer Nieren-Lebendspende unter anderem eine Szintigrafie der Nieren durchgeführt, um die Nierenfunktion bzw. Leistungsfähigkeit der beiden Nieren abschätzen zu können – die bessere Niere bleibt beim Spender.

Eine interdisziplinäre Transplantationskonferenz, der verschiedene Ärzte des Klinikums angehören, entscheidet dann anhand der Untersuchungsergebnisse, ob die Transplantation durchgeführt werden sollte oder nicht.

Vorstellung bei der Lebendspende-Kommission

Wenn nach Abschluss der medizinischen Untersuchungen nichts gegen die Lebendspende spricht, steht noch ein weiterer Termin an: die Vorstellung bei der Lebendspende-Kommission. Ob nur der Spender befragt wird oder sowohl der Spender als auch der Empfänger, ist in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich geregelt.

Das Gespräch mit der Lebendspende-Kommission ist im deutschen Transplantationsgesetz (TPG) vorgeschrieben und dient dem Schutz des Spenders. Mit der Befragung soll sichergestellt werden, dass [4]:

  • die Spende wirklich freiwillig erfolgt und
  • kein Organhandel vorliegt.


Die Kommission besteht aus mindestens drei Personen [4]:

  • einem Arzt, „der weder an der Entnahme noch an der Übertragung von Organen beteiligt ist, noch Weisungen eines Arztes untersteht, der an solchen Maßnahmen beteiligt ist,
  • einer Person mit der Befähigung zum Richteramt und
  • einer in psychologischen Fragen erfahrenen Person”.

Die organisatorischen Einzelheiten können in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich gehandhabt werden. In der Regel wird die Lebendspende-Kommission durch die zuständige Landesärztekammer einberufen, nachdem das Transplantationszentrum einen entsprechenden Antrag gestellt hat (mit Unterschrift des Spenders). Die Kommission tagt meist im Abstand mehrerer Wochen. Daher kann es sein, dass man einige Wochen bis zum nächsten Termin warten muss. In medizinisch sehr dringenden Fällen, wird die Kommission aber auch kurzfristig einberufen.

Stand:
11.12.2017

Autorin:
Dr. med. Susanne Rödel

Aktualisiert am:
11.12.2017

Erstellt am:
05.10.2010

Quellen:
[1] Walter J, Burdelski M, Bröring DC: Chancen und Risiken der Leber-Lebenspende-Transplantation. Dtsch Ärztebl 2008; 105(6): 101–7.
[2] Kröncke S: Lebendspende von Organen (Vortrag). Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Zentrum für Psychosoziale Medizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
[3] Walter J, Burdelski M, Bröring DC: Chancen und Risiken der Leber-Lebendspende-Transplantation. Dtsch Ärztebl 2008; 105(6): 101–7.
[4] Gesetz über die Spende, Entnahme und Übertragung von Organen und Geweben. http://www.gesetze-im-internet.de/tpg/ (zuletzt besucht am 14.11.2013)