Die Lebendspende hat gegenüber einer postmortalen Organspende einige organisatorische und medizinische Vorteile.

Organisatorische Vorteile der Lebendspende

Die Operation kann besser geplant werden: Den Termin legt das Transplantationszentrum in Abstimmung mit Spender und Empfänger fest – woraus sich auch medizinische Vorteile ergeben (s. u.). Der organisatorische Aufwand ist insgesamt geringer als bei einer postmortalen Organspende, da die Koordination von Eurotransplant und DSO sowie der Transport des Organs wegfallen.

Medizinische Vorteile der Lebendspende

Organe aus Lebendspenden sind oft in einem etwas besseren Zustand als Organe, die aus postmortalen Spenden stammen. Gründe hierfür sind:

  • Spender und Empfänger werden in den Wochen vor der Lebendspende sehr ausführlich medizinisch untersucht. Dies dient u. a. dazu, mögliche Risiken zu erkennen und ggf. Komplikationen vorzubeugen. So kann für die Transplantation ein Zeitpunkt gewählt werden, an dem sich Spender und Empfänger in einem guten körperlichen und psychischen Zustand befinden.
  • Da Spender und Empfänger am gleichen Tag und im gleichen Krankenhaus „überlappend” operiert werden, ist die Zeit zwischen Entnahme und Transplantation des Organs („Ischämiezeit”) kürzer als bei einer postmortalen Organspende. Die Wahrscheinlichkeit für eine Organschädigung durch die fehlende Durchblutung (Sauerstoffmangel) ist dadurch geringer.
  • Bei Organen aus postmortalen Organspenden kann die Organfunktion durch den Hirntod des Spenders und die häufig vorangegangene Intensivtherapie in geringem Umfang herabgesetzt sein (Stark vorgeschädigte Organe werden nicht zur Transplantation frei gegeben.).

Ergebnisse nach Nieren-Lebendspende

Für schwer nierenkranke Menschen ist die Transplantation einer Niere aus einer Lebendspende die beste Behandlung – postmortale Organspende und Dialyse schneiden hinsichtlich der Lebenserwartung des Empfängers schlechter ab. Die Funktionsfähigkeit des transplantierten Organs ist bei der Lebendspende besser als bei der postmortalen Spende:

  • Ein Jahr nach der Nierentransplantation leben noch 98 % der Empfänger einer Lebendspende und 96 % der Empfänger einer postmortalen Spende. Nach fünf Jahren sind es 91 % im Vergleich zu 86 % [1]. Zur Lebenserwartung ab Beginn einer Hämodialyse­behandlung zeigte eine aktuelle Studie folgende Zahlen: Nach 3,6 Jahren lebten noch 63 % der Dialysepatienten [2]. Allerdings sind unter den Dialysepatienten auch Patienten, für die aus gesundheitlichen Gründen eine Transplantation nicht infrage kommt, denen es also ohnehin schlechter geht.
  • Nach einer Lebendspende transplantierte Nieren sind ein Jahr nach der Transplantation noch bei rund 95 % der Empfänger funktionsfähig, post­mortal gespendete Nieren bei ca. 85 %. Fünf Jahre nach der Transplantation zeigt sich mit 87 % gegen­über 71 % dieselbe Tendenz (siehe Abbildung 1) [3].

Neben der häufig besseren Organqualität wird als weiterer möglicher Grund für diese guten Ergebnisse der Nieren-Lebendspende auch eine größere Therapietreue (Compliance/Adhärenz) der Transplantierten vermutet: Wenn man den Spender des Organs persönlich kennt, achtet man wahrscheinlich gewissenhafter auf die regelmäßige Medikamenteneinnahme – eine Abstoßung könnte das Organ gefährden und die selbstlose Spende des Nahestehenden „nutzlos” machen.

Ergebnisse nach Leber-Lebendspende

Bei der Leber-Lebendspende muss zwischen der Spende für ein Kind und für einen erwachsenen Empfänger unterschieden werden:

  • Kinder benötigen nur einen kleinen Teil des Organs des erwachsenen Spenders. Sie erhalten in der Regel ein Stück des linken Leberlappens von einem Elternteil oder einem nahen Verwandten. Das Operationsverfahren wird seit ca. 20 Jahren angewandt. Es birgt für Spender und Empfänger nur geringe Risiken. Die Überlebensraten der Empfänger und die Funktionsfähigkeit des Transplantats sind bei Kleinkindern (< 2 Jahren) nach der Lebendspende besser als nach einer postmortalen Organspende [4,5].
  • Erwachsene Empfänger benötigen einen größeren Teil der Leber des Spenders – es werden bis zu
    60 % des Lebervolumens des Spenders ent­nommen. Die Operation ist chirurgisch anspruchsvoll und sollte in einem erfahrenen Transplantations­zentrum durchgeführt werden. Die Überlebensraten der Empfänger und die Funktionsfähigkeit des Transplantats unterscheiden sich kaum zwischen Lebendspende und postmortaler Spende – in manchen Veröffentlichungen werden etwas bessere Ergebnisse für die Lebendspende beschrieben. Ein erfahrenes deutsches Transplantationszentrum berichtet, dass fünf Jahre nach Leber-Lebendspende-Transplan­tationen noch 83 % der dort behandelten Patienten leben und 81 % der Lebern funktionieren können [5].

Abbildung 2 zeigt eine Auswertung aller Lebertransplantationen in Deutschland (ohne Trennung von Kindern und Erwachsenen sowie erfahrenen und weniger erfahrenen Zentren): Auch hier unterscheiden sich die Funktionsraten nach Lebend- oder postmortaler Spende kaum: Fünf Jahre nach der Transplantation funktionieren noch 54,8 % der Lebern von Lebendspendern und 55,1 % der postmortal gespendeten Lebern [3]. Grundsätzlich sind sowohl der Anteil funktionierender Organe als auch die Überlebenszeit der Empfänger bei Kindern deutlich besser als bei erwachsenen Empfängern [6].

Risiken einer Lebendspende

Aus ethischer Sicht ist eine Lebendspende nicht einfach zu bewerten: Lässt sich ein gesunder Mensch ein Organ oder einen Organteil entnehmen, setzt er sich damit den mit der Operation verbundenen Risiken aus. Zwar treten schwere Komplikationen selten auf, dennoch sollten sich Spender und Empfänger vorab über die möglichen Risiken für den Spender informieren. Es ist wichtig, die Entscheidung für eine Lebendspende-Transplantation im Wissen sowohl um die Vorteile als auch die möglichen Risiken zu treffen.

Für den Empfänger einer Lebendspende unterscheiden sich die medizinische Behandlung (Operation und Nachsorge) und die damit verbundenen Risiken kaum von einer postmortalen Spende. Daher werden hier nur die Risiken für den Spender beschrieben:

Mögliche Komplikationen beim Nieren-Lebendspender

Bei der Entnahme einer Niere von einem gesunden Lebendspender kommt es nur sehr selten zu Komplikationen. Es versterben nur 0,02 bis 0,03 % aller Nieren-Lebendspender im Laufe der Organentnahme oder im unmittelbaren Anschluss daran, das sind 2 bis 3 von 10.000. Andere schwerwiegende Komplikationen im Anschluss an die Operation treten in 0,3 bis 1,0 % der Fälle auf, also bei weniger als 1 von 100 Fällen [7,8].

Viele Spender haben nach der Operation Schmerzen im Bereich des Operationsgebietes bzw. der Naht. Diese lassen sich durch Schmerzmittel jedoch gut mildern und gehen meist im Verlauf weniger Wochen zurück. Ein Jahr nach der Operation haben noch etwa 17 Prozent der Spender Irritationen im Bereich der Narbe wie Gefühllosigkeit, Juckreiz oder gelegentliche Schmerzen [9].

Immer häufiger werden Nieren mithilfe minimal-invasiver OP-Verfahren entnommen. Die Komplikationsrate ist vergleichbar mit der bei einer offenen Entnahme der Niere oder noch niedriger [10]. 

Langfristig haben Nieren-Lebendspender keine Nachteile zu befürchten: Ihre Lebenserwartung ist genauso hoch wie bei anderen Menschen, und sie erleiden an der verbliebenen Niere auch nicht häufiger ein Organversagen [7,8].

Auch wenn bisher keine langfristigen Risiken für die Gesundheit des Spenders beobachtet wurden, ist es dennoch ratsam, dass sich der Spender regelmäßig im Transplantationszentrum, das sein Organ entnommen hat, untersuchen lässt. Dann können theoretisch mögliche Spätfolgen, wie Bluthochdruck oder eine Verminderung der Nierenfunktion, frühzeitig erkannt und behandelt werden. Weitere Informationen zur Nachsorge des Spenders

Mögliche Komplikationen beim Leber-Lebendspender

Bei einer Leber-Lebendspende hängt das Risiko für den Spender davon ab, wie groß der entnommene Leberteil ist und welcher Leberlappen transplantiert wird: Je mehr von der Leber entfernt wird, desto wahrscheinlicher sind Komplikationen. Grundsätzlich können bis zu 60 % der Leber entfernt werden (in manchen Fällen bis zu 70 %). Die Ärzte des Transplantationszentrums werden vor der Transplantation genau untersuchen, wie viel Lebergewebe beim Spender entnommen werden kann, ohne dass für ihn ein Leberversagen droht, und ob dieses Volumen für den Empfänger ausreicht. Um abzuschätzen, wie groß die Leber ist und ob sie anatomisch passend ist, wird eine sogenannte Volumetrie der Leber durchgeführt.

Bei Spenden für Kinder wird dem erwachsenen Spender der linke Leberlappen oder ein Teil davon entnommen. Das entfernte Leberstück macht einen relativ kleinen Anteil des Organs aus. Es versterben nur etwa 0,09 % der Spender während oder in den Wochen nach der Operation, das sind 9 von 10.000 [5].

Für erwachsene Empfänger (> 65 kg) muss der größere, rechte Leberlappen gespendet werden. Hierbei kann es etwas häufiger zu Komplikationen kommen. Nach der Transplantation haben die Spender nahezu immer vorübergehend eine zu geringe Leberleistung („Leberinsuffizienz”). Der verbliebene Leberrest passt sich jedoch schnell an die neue Situation an – er vergrößert sich und erreicht nach einigen Wochen wieder eine normale Leberfunktion. Es versterben dennoch trotz aller Sicherheitsmaßnahmen bis zu 0,5 % der Spender, also 5 von 1.000 bzw. 50 von 10.000, infolge der Operation [5].

Andere Komplikationen, wie z. B. undichte Stellen in den Gallengängen oder Infektionen, treten bei etwa 13 % aller Leber-Lebendspender in den ersten Wochen nach der Organentnahme auf [11]. Diese Komplikationen können jedoch behandelt werden, so dass sie meist nicht zu bleibenden Schäden führen. Langfristig leiden manche Patienten unter gelegentlichen Schmerzen im Bereich der Narbe oder im Oberbauch, bei einigen kommt es zur Bildung einer Narbenhernie („Aussackung” des Bauches im Bereich der Narbe).

Stand:
11.12.2017

Autorin:
Dr. med. Susanne Rödel

Aktualisiert am:
11.12.2017

Erstellt am:
05.10.2010

Quellen:
[1] Chapman J: Guest editor's introduction; ANZDATA. Australia and New Zealand Dialysis and Transplant Registry, 2006
[2] Cooper BA, Branley P, Bulfone L et al.: A Randomized, Controlled Trial of Early versus Late Initiation of Dialysis. N Engl J Med 2010; 363: 609–19.
[3] Deutsche Stiftung Organtransplantation. www.dso.de (zuletzt besucht am 12.05.2017)
[4] Roberts JP, Hulbert-Shearon TE, Merion RM, Wolfe RA, Port FK: Influence of graft type on outcomes after pediatric liver transplantation. Am J Transplant 2004; 4(3): 373–7.
[5] Walter J, Burdelski M, Bröring DC: Chancen und Risiken der Leber-Lebendspende-Transplantation. Dtsch Ärztebl 2008; 105(6): 101–7.
[6] Medizinischer Beirat von „Transplantation verstehen“
[7] Liefeldt L, Giessing M, Fuller TF et al.: Lebendnierentransplantation. Nephrologe 2006; 1: 63–70.
[8] Segev DL, Muzaale AD, Caffo BS et al.: Perioperative Mortality and Long-term Survival Following Live Kidney Donation. JAMA 2010; 303(10): 959–66.
[9] Information des Transplantationszentrums Stuttgart http://www.klinikum-stuttgart.de/kliniken-institute-zentren/transplantationszentrum/lebendspende/spenderoperation (zuletzt besucht am 12.05.2017)
[10] Ohl F, Popken G: SILS, LESS, NOS & Co. bei minimal-invasiven Niereneingriffen. Urologe 2010; 49: 1372–1376.
[11] AQUA Institut: Leberlebendspende – Bundesauswertung zum Erfassungsjahr 2012. http://www.sqg.de/downloads/Bundesauswertungen/2012/bu_Gesamt_LLS_2012.pdf (zuletzt besucht am 12.05.2017)