Eine Alternative zur postmortalen Organspende ist die Lebendspende von Organen.

Grundsätzlich ist die Lebendspende auf Organe begrenzt, deren Entnahme beim Spender medizinisch möglich und vertretbar ist. Bei folgenden Organen sind Lebendspenden möglich:

  • Niere: Transplantation einer Niere
  • Leber: Transplantation von Teilen der Leber

In seltenen Fällen ist auch bei folgenden Organen eine Lebendspende von Teilen des Organs realisierbar:

  • Lunge
  • Dünndarm
  • Bauchspeicheldrüse (Pankreas)

Die Anzahl möglicher Spender ist bei einer Lebendspende eingeschränkt. Laut dem deutschen Transplantationsgesetz (TPG) ist die Transplantation von Organen lebender Spender nur zulässig, wenn kein postmortal gespendetes Organ für den Empfänger zur Verfügung steht. Außerdem muss der Spender eines Organs mit dem Empfänger verwandt sein oder ihm in besonderer Weise nahestehen. Diese Voraussetzung ist bei Verwandten ersten und zweiten Grades, Ehepartnern und in eheähnlicher Gemeinschaft lebenden Personen erfüllt. Hinzu kommen Menschen, die dem Empfänger offenkundig emotional verbunden sind.

Lebendspenden von Spendern, die keine besondere Verbindung zum Empfänger haben, sind in Deutschland ausdrücklich nicht gestattet. Der Hintergrund dieser gesetzlichen Regelung ist, Missbrauch im Zusammenhang mit Lebendspenden zu vermeiden („Organkäufe").

Was sind die Vorteile einer Lebendspende?

Die Lebendspende von Organen bietet im Vergleich zu einer postmortalen Spende eine Reihe von Vorteilen. Dazu gehören unter anderem die bessere Organqualität und die bessere Verträglichkeit des Organs beim Empfänger. Außerdem sind die organisatorischen Voraussetzungen bei einer Lebendspende wesentlich günstiger als bei einer postmortalen Spende [1,3].

Organisatorische Vorteile

Die aufwändige Organisation, die bei einer postmortalen Spende notwendig ist, um ein entnommenes Organ schnellstmöglich an einen Empfänger zu vermitteln, entfällt bei einer Lebendspende. Spender und Empfänger befinden sich in der Regel im gleichen Krankenhaus.

Medizinische Vorteile

Eine Lebendspende lässt sich langfristig planen, so dass sowohl der Spender als auch der Empfänger sich auf den Eingriff vorbereiten können. Der Zeitpunkt der Transplantation kann entsprechend der körperlichen und psychischen Gesundheit gewählt werden.

Weil der teilweise zeitaufwendige Transport zwischen Spender und Empfänger wegfällt, ist das zu transplantierende Organ wegen der kürzeren Zeit ohne Blutversorgung (Ischämiezeit) in einem besseren Zustand.

Organe aus postmortalen Organspenden können durch den Hirntod des Spenders und die häufig vorangegangene Intensivtherapie in geringem Umfang geschädigt sein. Dieses Risiko besteht bei Lebendspenden nicht.

Das Risiko für den Organspender ist gering. Dennoch sollten auch diese Aspekte bei der Planung einer Lebendspende-Transplantation detailliert besprochen werden.

Was sind die Risiken einer Lebendspende?

Was sind die Risiken einer Lebendspende?

Was sind die Risiken einer Lebendspende?
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Ein gesunder Mensch mit guter Nierenfunktion ist ein möglicher Nierenspender. Die verbleibende Niere kompensiert den Ausfall. Ebenso kann ein Teil der Leber zur Transplantation entnommen werden.

Die Prognose eines Organempfängers, der ein Organ von einer lebenden Person erhält, ist möglicherweise besser als bei Empfängern von Organen verstorbener Menschen. Nach Nieren-Lebendspende-Transplantation kann dies als gesichert gelten, für die Lebertransplantation sind die Langzeitdaten weniger deutlich. Dennoch liegt der Vorteil einer Wartezeitverkürzung auf der Hand, was für den einzelnen Empfänger einer Leber essenziell sein kann.

Allerdings ergeben sich ethische Bedenken, wenn es um Lebendspenden geht: Ein gesunder Mensch begibt sich durch einen solchen Eingriff in eine Gefahrensituation, die für ihn selbst vermeidbar wäre. Das bei einer Operation unumgängliche Restrisiko, z. B. durch Narkose, chirurgische Komplikationen, Infektionen oder andere Umstände, lässt sich nicht ausschalten.

Dennoch versterben nur 0,02 % bis 0,03 % aller Nieren-Lebendspender im Laufe einer Organentnahme, das sind 2 bis 3 von 10.000. Andere Komplikationen im Anschluss an die Operation treten in 0,3 bis 1,0 % der Fälle auf, also bei weniger als 1 von 100 Fällen [1,4].

Bei Lebendspenden von Teilen der Leber treten ebenfalls relativ selten Komplikationen auf. Das Risiko hängt davon ab, wie groß der entnommene Leberteil ist und welcher Leberlappen transplantiert wird. Je mehr von der Leber entfernt wird, desto wahrscheinlicher sind Komplikationen. Es können maximal 60 % der Leber entfernt werden. Wenn der rechte Leberlappen gespendet wird, versterben bis zu 0,5 % der Spender, also 5 von 1.000. Bei Spende des linken Leberlappens versterben etwa 0,09 % der Spender, also 9 von 10.000 [3]. Schwerwiegende Komplikationen nach der Entnahme, z. B. undichte Stellen in den Gallengängen oder Infektionen, treten bei bis zu 15 % aller Leber-Lebendspender auf [1].

Langfristig betrachtet haben Organspender kein erhöhtes Risiko, ein Organversagen zu entwickeln. Menschen, die eine Niere gespendet haben, erleiden also an der verbliebenen Niere genauso selten ein Organversagen wie alle anderen Menschen [4]. Leberspender haben nur ein erhöhtes Risiko für ein Leberversagen, wenn große Anteile der Leber entnommen werden [1].

Im Anbetracht der Tatsache, dass ein gespendetes Organ dem Empfänger ein neues Leben ermöglichen kann, erscheinen die Risiken einer Lebendspende hinnehmbar. Dies ist wahrscheinlich ein Grund dafür, dass der Anteil der Lebendspender in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen ist.

Für vertiefende Informationen lesen Sie auch das Spezialthema Lebendspende.

Stand:
08.12.2017

Autorin:
Dr. med. Susanne Rödel

Aktualisiert am:
02.09.2010, 20.05.2014, 08.12.2017

Erstellt am:
19.08.2009

Quellen:
[1] Krukemeyer MG, Lison AE: Transplantationsmedizin. De Gruyter Verlag, Berlin 2006
[2] Deutsche Stiftung Organtransplantation (www.dso.de, zuletzt besucht am 18.05.2017)
[3] Bechstein WO, Wullstein C et al.: Transplantation abdomineller Organe - was gibt es Neues? Unimed Verlag, Bremen 2005
[4] Segev DL, Muzaale AD, Caffo BS et al.: Perioperative Mortality and Long-term Survival Following Live Kidney Donation. JAMA 2010; 303(10): 959-66.
[5] Walter J, Burdelski M, Bröring DC: Chancen und Risiken der Leber-Lebendspende-Transplantation. Dtsch Arztebl 2008; 105(6): 101-7.