Frau mit Fieberthermometer – Infektionen gehören zu den möglichen Komplikationen nach allogener Blutstammzelltransplantation.
Fieber kann Anzeichen einer Infektion sein

Mögliche Komplikationen im ersten Jahr nach der allogenen Blutstammzelltransplantation (PBSZT)

Die Konditionierungstherapie und die allogene Blutstammzelltransplantation sind mit einer Reihe von Nebenwirkungen verbunden, die vor allem in den ersten Wochen auftreten. Mit Medikamenten und anderen vorbeugenden Maßnahmen können viele dieser unerwünschten Begleiteffekte der Behandlung abgemildert oder ganz verhindert werden.

Dennoch können Komplikationen auftreten. Dies gilt auch weiterhin, nachdem man aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Regelmäßige Besuche in der KMT-Ambulanz sind daher wichtig, damit Komplikationen rechtzeitig erkannt und behandelt werden können. Zu den häufigsten Komplikationen im ersten Jahr (insbesondere in den ersten 6 Monaten) gehören die Graft-versus-Host-Erkrankung (GvHD) und Infektionen.

Graft-versus-Host-Erkrankung (GvHD)

Es gibt eine akute und eine chronische Form der GvHD. Die akute Form tritt per Definition in den ersten 100 Tagen nach der Transplantation auf, während die chronische GvHD erst nach Tag 100 beginnt. Allerdings lassen sich akute und chronische GvHD so einfach nicht trennen. Es gibt frühe chronische und späte akute Formen. Insgesamt verläuft die akute GvHD deutlich dynamischer, insbesondere wenn keine Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Während milde Formen einfach zu behandeln sind, können schwere Formen lebensbedrohlich verlaufen.

Bei einer Graft-versus-Host-Erkrankung richtet sich das Immunsystem des Spenders gegen Körperzellen des Empfängers. Davon sind typischerweise betroffen:

  • die Haut,
  • die Leber und
  • der Darm.

Bei der akuten GvHD tritt oft ein juckender, fleckiger Hautausschlag auf, häufig im Gesicht, am Dekolleté oder am Rücken. Der Angriff auf Leber und Darm kann zu folgenden Beschwerden führen: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall, blutiger Stuhl, Gelbfärbung der Augen und der Haut.

Bei Symptomen der akuten GvHD müssen Sie umgehend (!) das Transplantationszentrum informieren. Die Ärzte werden entscheiden, ob weitere Untersuchungen und das Einleiten einer immunsuppressiven Therapie notwendig sind.

Bei der chronischen GvHD kommt es am häufigsten zu Hautveränderungen sowie zur Trockenheit von Mundschleimhäuten und Bindehäuten. Alle Beschwerden einer akuten GvHD können ebenfalls vorkommen. Manchmal sind die Lunge (Husten, Atemnot) oder Muskeln und Gelenke betroffen.

Zur Prophylaxe und Behandlung der GvHD werden Immunsuppressiva verwendet. Oft werden beispielsweise prophylaktisch Cyclosporin A während der ersten 12 Wochen und Methotrexat an einigen Tagen in den ersten 2 Wochen verabreicht. Tritt dennoch eine GvHD auf, wird der behandelnde Spezialist im Transplantationszentrum zeitnah entscheiden, ob eine topische Behandlung mit Salben ausreicht oder ob der Einsatz von Kortisontabletten oder -infusionen notwendig ist. Letzteres erfordert dann auch eine stationäre Aufnahme und den Einsatz anderer Immunsuppressiva.

Infektionen

Infektionen treten bei fast allen transplantierten Patienten auf. Das häufigste Zeichen einer Infektion nach Blutstammzelltransplantation ist Fieber. Sobald Fieber auftritt, werden die behandelnden Ärzte versuchen, den Erreger herauszufinden (z. B. mithilfe von Blutkulturen) und gezielt mit Antibiotika zu behandeln. Zur Vorbeugung (Prophylaxe) von Infektionen nimmt man in den ersten Wochen nach der Transplantation einige Medikamente ein.

Vor dem Anwachsen der transplantierten Blutstammzellen im Knochenmark (Engraftment) und dem Beginn der neuen Blutbildung kommen am häufigsten Infektionen vor, die durch Bakterien ausgelöst werden. Dies liegt daran, dass die Anzahl der neutrophilen Granulozyten (eine bestimmte Art der Leukozyten) in dieser ersten Phase nach der Transplantation (ca. 2 Wochen) sehr niedrig ist. Die „Neutrophilen" sind sehr wichtig für die Abwehr von Bakterien.

Wenn die Neutrophilen- bzw. Leukozytenzahlen wieder normal sind, ist man vor Bakterien relativ gut geschützt. Das Risiko für Infektionen, die durch Viren und Pilze verursacht werden, bleibt jedoch noch länger erhöht, weil

  • man immunsuppressive Medikamente einnehmen muss und
  • die neu gebildeten Immunzellen (insbesondere Lymphozyten) ihre Funktionen erst „erlernen" müssen. Es kann 2 Jahre oder länger dauern, bis die Immunabwehr wieder vollständig funktioniert.

Daher sollte man nach der Transplantation über einen längeren Zeitraum einige Maßnahmen zum Schutz vor Infektionen beachten. Wie lange dies in Ihrem individuellen Fall notwendig ist, werden Ihnen die Ärzte des Transplantationszentrums sagen.

Mehr Informationen über Bakterien, Viren und Pilze sowie einige typische Krankheitserreger nach der Transplantation finden Sie im Spezialthema „Infektionen nach Organtransplantation".

Lebervenen-Verschlusskrankheit

Die Lebervenen-Verschlusskrankheit (VOD) ist eine relativ seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung, welche nach bestimmten Konditionierungstherapien besonders häufig auftritt. Mit der Einführung dosisreduzierter Konditionierungen wird sie eher seltener beobachtet.

Bei dieser Erkrankung kommt es zu

  • einem schmerzhaften Anschwellen der Leber,
  • einer Gelbfärbung der Haut und
  • einer raschen Gewichtszunahme, weil weniger Flüssigkeit ausgeschieden wird.

Die Lebervenen-Verschlusskrankheit wird durch hochdosierte Strahlen- und/oder Chemotherapien verursacht: In bestimmten Blutgefäßen der Leber lösen sich viele abgetötete Zellen von den Gefäßwänden ab und verstopfen das Gefäßinnere. Deshalb schwillt die Leber an, und ihre Funktion ist beeinträchtigt (z. B. im Stoffwechsel).

Abstoßung des Transplantats

Eine „klassische" Abstoßungsreaktion, bei der sich verbliebene Lymphozyten des Empfängers gegen die transplantierten Zellen richten, kommt nach einer allogenen Blutstammzelltransplantation nur selten vor. Sie zeigt sich durch:

  • Nichtanwachsen des Transplantats
  • Abfallen der Zellzahlen im Blut, häufig verbunden mit sonst nicht erklärbarem Fieber

Eine Abstoßung wird mit Immunsuppressiva behandelt. Reicht dies nicht aus, ist eine erneute Transplantation mit vorangehender Konditionierung notwendig. Die Stammzellen sollten dann möglichst von einem anderen Spender kommen.

Stand: 08.09.2015

Autor, Datum, Quellen

Inhaltlich verantwortlich:
Dr. med. Susanne Rödel

Erstellt am:
11.01.2012

Aktualisiert am:
08.09.2015

Quellen:
[1] Copelan EA: Hematopoietic stem-cell transplantation. N Engl J Med 2006; 354: 1813—26.
[2] Informationen für Patienten mit Blutstammzelltransplantation und Knochenmarktransplantation. Universitätsklinikum Ulm, Stand 10/2014. http://www.uniklinik-ulm.de/fileadmin/Kliniken/Innere_Medizin/InnereIII/Station/20141020_cEBKT_final.pdf (zuletzt besucht am 12.05.2017)
[3] Antin JH: Long-term care after hematopoietic stem-cell transplantation in adults. N Engl J Med 2002; 347(1): 36—42.
[4] Medizinischer Beirat von „Transplantation verstehen".

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