Hut und Sonnenbrille tragen zum Sonnenschutz nach Blutstammzelltransplantation bei.
Nach der Transplantation muss man sich vor der Sonnenstrahlung schützen

Das erste Jahr nach der allogenen Blutstammzelltransplantation (PBSZT)

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wird man regelmäßig in der KMT-Ambulanz untersucht. Die Kontrolluntersuchungen dienen vor allem dazu

  • den Blutspiegel bestimmter Immunsuppressiva zu messen und die Dosis entsprechend anzupassen sowie
  • mögliche Komplikationen rechtzeitig erkennen und behandeln zu können.

Oft folgt einige Wochen nach dem Krankenhausaufenthalt eine Anschlussheilbehandlung in einer Reha-Klinik.

Eine „kritische Zeit“

Die ersten 6 Monate nach der Transplantation sind eine „kritische Zeit“, in der sich oft der Erfolg der Behandlung entscheidet. Das „neue“ Immunsystem soll

  • verbliebene Krebszellen zerstören,
  • verbliebene blutbildende Zellen und Immunzellen des „alten“ Immunsystems beseitigen und
  • lernen, dass die Körperzellen des Empfängers keine „fremden" Zellen sind, sich also nicht gegen sie richten.

Es geschehen also intensive Anpassungsprozesse zwischen dem transplantierten Immunsystem und dem eigenen Körper. Daher kommt es in dieser Zeit noch relativ häufig zu Komplikationen. Die Einnahme der Immunsuppressiva ist sehr wichtig, damit das Immunsystem die Anpassungsvorgänge in „geschütztem Umfeld“ meistern kann und es nicht zu einer überschießenden Abwehrreaktion kommt.

Maßnahmen zum Schutz vor Infektionen

In der Frühphase nach der Transplantation ist man noch sehr empfänglich für Infektionen. Gegen viele bakterielle Infektionen ist man zwar wieder gut geschützt, sobald aus dem Knochenmark wieder neutrophile Granulozyten (eine bestimmte Art weißer Blutkörperchen) in das Blut gelangen. Für den Aufbau eines ausreichenden Schutzes gegen andere Keime, z. B. Viren und Pilze, benötigt das Immunsystem jedoch viel mehr Zeit – nicht selten dauert dieser Prozess 6 Monate oder auch länger. Die Ärzte in der KMT-Ambulanz kontrollieren deshalb regelmäßig die Anzahl verschiedener Immunzellen (insbesondere Lymphozyten und deren Untergruppen) im Blut, um das Infektionsrisiko abzuschätzen.

Solange, bis die Ärzte der KMT-Ambulanz „Entwarnung“ geben, sollte man das häusliche Umfeld und den Alltag so gestalten, dass man möglichst wenig in Kontakt mit Keimen, insbesondere Pilzsporen, kommt. Dazu gehören folgende Maßnahmen:

  • Entfernung von Blumen und Zimmerpflanzen (mindestens aus dem Schlafzimmer)
  • Verzicht auf Gartenarbeiten (Pilzsporen in der Erde)
  • große Distanz zu Biomüll einhalten
  • Verzicht auf Baumaßnahmen in der Wohnung (Pilzsporen im Staub)
  • Weiterführung der keimarmen Diät
  • Rauchverzicht (Rauchen erhöht die Anfälligkeit der Atemwege für Virusinfektionen)
  • Menschenansammlungen meiden (z. B. Kino, Disco, öffentliche Verkehrsmittel)
  • einen Mundschutz tragen, wenn man Menschen trifft, die nicht zum engsten Familienkreis gehören
  • Personen mit Infekten und erkrankte Haustiere meiden
  • Nutzung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr (Schutz vor diversen Keimen)

Pilzsporen werden auch über die Luft eingeatmet und können bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem z. B. eine Lungenentzündung verursachen.

Was man hinsichtlich der Ernährung beachten sollte, erklären die Diätassistenten des Krankenhauses ausführlich. Einige wichtige Punkte haben wir in einem Artikel zur keimarmen Ernährung zusammengefasst. Das Grundprinzip lautet: „Koch es – schäl es – oder vergiss es!"

Sonnenschutz

Die Haut ist infolge der Konditionierungstherapie, insbesondere nach Bestrahlung, empfindlicher gegenüber der Sonnenstrahlung. Außerdem kann das Sonnenlicht eine GvHD der Haut auslösen. Hinzu kommt, dass verschiedene Immunsuppressiva das Hautkrebsrisiko verstärken können. Daher sollte man

  • auf Sonnenbäder und Besuche im Sonnenstudio verzichten,
  • im Sonnenlicht eine Kopfbedeckung und eine Sonnenbrille mit UV-Filter tragen und
  • die Haut mit einer Sonnencreme eincremen (mindestens Lichtschutzfaktor 30).

Impfungen

Da das eigene „alte“ Immunsystem zerstört wurde, müssen Impfungen, die bereits vor der Transplantation durchgeführt wurden, wiederholt bzw. der Impfstatus wiederhergestellt werden. Der Zeitpunkt für die Impfungen wird individuell festgelegt und hängt von der Erholung des Immunsystems ab. Meist wird mit den ersten Impfungen etwa 3 bis 6 Monate nach der Transplantation begonnen. In den ersten 2 Jahren nach einer allogenen Stammzelltransplantation dürfen nur Impfungen mit Tot- bzw. Toxoid-Impfstoffen vorgenommen werden. Impfungen mit Lebendimpfstoffen sollten auch nach 2 Jahren nur in Absprache mit dem Transplantationszentrum durchgeführt werden.

Wiedereinstieg in den Beruf

Ob und wann man wieder arbeiten gehen kann, hängt vom individuellen Verlauf nach der Transplantation ab. Die übliche Zeitspanne reicht von 3 bis mehr als 12 Monaten [2].

Verringerung der Immunsuppression

Sofern die Blutwerte stabil bleiben und keine Komplikationen auftreten, werden die Ärzte die Dosis der immunsuppressiven Medikamente nach und nach verringern. Ziel ist es, nach Tag 100 möglichst keine Immunsuppressiva mehr zu benutzen. Allerdings ist das nicht immer möglich. Akute und chronische GvHD können mitunter auch sehr lange Phasen der Immunsuppression notwendig machen.

Stand: 11.01.2012

Autor, Datum, Quellen

Inhaltlich verantwortlich:
Dr. med. Susanne Rödel

Erstellt am:
11.01.2012

Aktualisiert am:
08.09.2015

Quellen:
[1] Informationen für Patienten mit Blutstammzelltransplantation und Knochenmarktransplantation. Universitätsklinikum Ulm, Stand 10/2014. http://www.uniklinik-ulm.de/fileadmin/Kliniken/Innere_Medizin/InnereIII/Station/20141020_cEBKT_final.pdf (zuletzt besucht am 12.05.2017)
[2] Informationsbroschüre für Patienten, Version 01/2007. Stammzelltransplantationszentrum Heidelberg, Sektion Allogene Stammzellentransplantation. http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/medizinische_klinik/Abteilung_5/docs/patinfo/PatinfoAllogeneStammzelltransplantation.pdf (zuletzt besucht am 12.05.2017)
[3] Antin JH: Long-term care after hematopoietic stem-cell transplantation in adults. N Engl J Med 2002; 347(1): 36-42.

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