Bei einer Cross-over-Transplantation spendet der Lebendspender des Paares 1 für den Empfänger des Paares 2, und der Spender des Paares 2 für den Empfänger des Paares 1 mit der gleichen Blutgruppe.
Prinzip einer Cross-over-Transplantation

AB0-inkompatible Spenden und Cross-over-Transplantationen

Nach dem deutschen Transplantationsgesetz ist eine Lebendspende nur erlaubt, wenn Spender und Empfänger verwandt sind (1. und 2. Grades) oder sich sehr nahe stehen. Leider findet man in diesem Personenkreis nicht immer einen passenden Spender (Gewebe- oder Blutgruppenunverträglichkeit). Bei einer Blutgruppenunverträglichkeit kommen als Ausweg aus dieser Situation eine AB0-inkompatible Lebendspende oder eine Cross-over-Transplantation in Frage. Bei einer Gewebeunverträglichkeit (positive Kreuzprobe) kann eine Cross-over-Transplantation eine Nieren-Lebendspende möglich machen.

Während eine Cross-over-Transplantation derzeit in Deutschland noch eine „Ausnahme von der Regel" darstellt, nimmt die Zahl der AB0-inkompatible Lebendspenden zu. Bei Nieren-Lebendspenden betrug der Anteil der AB0-inkompatiblen Spenden im Jahr 2012 bereits 18 % [1]. ABO-inkompatible Leber-Lebendspenden werden in Deutschland und Europa bisher selten praktiziert. Dennoch gibt es weltweit gesehen sehr gute Erfahrungen mit diesem Verfahren. Da Säuglinge und Kleinkinder noch kaum Antikörper gegen andere Blutgruppen bilden, ist die inkompatible Leberspende für diese Gruppe möglich.

AB0-inkompatible Nieren-Lebendspende

Bei Blutgruppenunverträglichkeit („AB0-Inkompatibilität”) ist eine Transplantation nur möglich, wenn vorher beim Empfänger die Blutgruppen-Antikörper aus dem Blut entfernt werden. Dafür sind verschiedene Maßnahmen notwendig [2]:

  • Vier Wochen vor der Transplantation wird mit der Gabe eines bestimmten Medikaments die Neubildung der Blutgruppen-Antikörper unterdrückt.
  • Eine Woche vor der Transplantation muss der Empfänger mit der Einnahme der Immunsuppressiva beginnen. Zusätzlich werden mit einer Art „Blutwäsche” (Immunadsorption oder Plasmapherese) verbliebene Blutgruppen-Antikörper aus dem Blut entfernt.

Ohne diese Vorbehandlung („Konditionierung”) würden die Blutgruppen-Antikörper des Empfängers die transplantierte Niere angreifen, und das Risiko für eine Abstoßungsreaktion wäre sehr hoch. Die Blutgruppen-Antigene (A, B, AB oder 0 (kein Antigen)) befinden sich nämlich nicht nur auf der Oberfläche von Blutzellen, sondern auch auf der Oberfläche von Zellen verschiedener Organe, wie z. B. der Niere und der Leber [3].

Die weitere Behandlung – also Operation und Nachsorge – unterscheidet sich kaum von der Blutgruppen-kompatiblen Nieren-Lebendspende. Allerdings treten etwas häufiger Komplikationen auf und die Dosis der Immunsuppressiva nach AB0-inkompatibler Lebendspende ist meist etwas höher als nach anderen Formen der Nierentransplantation.

Abstoßungs- und Infektionsgefahr sind in der Frühphase nach der Transplantation gegenüber einer Blutgruppen-kompatiblen Transplantation nur leicht erhöht. Langzeitergebnisse gibt es aus Deutschland bisher nicht. Aus Japan, wo bereits über 1.000 AB0-inkompatible Nieren-Lebendspenden durchgeführt wurden, weiß man jedoch: Auch 10 Jahre nach der Transplantation sind die Organfunktion der Niere und die Lebenserwartung der Transplantierten noch genauso gut, wie nach einer Blutgruppen-kompatiblen Lebendspende [4,5].

Die Zahl der AB0-inkompatiblen Nieren-Lebendspenden nimmt in Deutschland zu: Von den 600 Nieren-Lebendspenden, die im Jahr 2009 durchgeführt wurden, waren bereits 15 % AB0-inkompatible Spenden [6].

Cross-over-Transplantationen

Bei einer Gewebe- oder Blutgruppenunverträglichkeit kann eine „Überkreuz-Lebendspende” (Cross-over-Transplantation) zwischen zwei Spender-Empfänger-Paaren sinnvoll sein. Das Prinzip ist in der Abbildung dargestellt [7].

Allerdings ist für eine Cross-over-Transplantation ein hoher organisatorischer Aufwand notwendig: Zunächst muss ein passendes Paar gefunden werden, dann müssen rechtliche Hürden genommen werden. Die zwei Paare müssen sich persönlich kennen lernen und vor einer Lebendspende-Kommission glaubhaft versichern, dass sie bereit sind, dem anderen Empfänger die Niere zu spenden. Die Transplantation selbst ist für das Transplantationszentrum aufwendiger, da vier Menschen gleichzeitig bzw. kurz hintereinander operiert werden müssen. Aus ethischer Sicht müsste man die Organentnahmen gleichzeitig vornehmen, damit nicht „in letzter Minute” noch ein Partner abspringt.

Nach einem Urteil des Bundessozialgerichts (10.12.2003, Az.: B9VS1/01R) sind Cross-over-Transplantationen zwischen zwei Paaren mit dem deutschen Transplantationsgesetz vereinbar, stellen also keinen verbotenen Organhandel dar [5]. In einigen Bundesländern sind Cross-over-Transplantationen jedoch nicht erlaubt.

Stand:
20.05.2014

 

Autor, Datum, Quellen

Inhaltlich verantwortlich:
Dr. med. Susanne Rödel

Aktualisiert am:
20.05.2014

Erstellt am:
05.10.2010

Quellen:

[1] Website des Transplantationszentrums Freiburg. http://www.transplantationszentrum-freiburg.de (zuletzt besucht am 14.11.2013)
[2] Medizinischer Beirat von „Transplantation verstehen" 
[3] Das AB0-System. Verlesung Transfusionsmedizin der Uni Marburg. http://transfusionsmedizin.uk-wuerzburg.de (zuletzt besucht am 14.11.2013) 
[4] Guthoff M, Wernet D, Steurer W, Heyne N: AB0-inkompatible Nierentransplantation. Dtsch med Wochenschr 2009; 134(50): 2577.
[5] Jones J, Hampel C: Erweiterung des Donorpools in der Nierentransplantation. Urologe 2009; 48: 1459-63.
[6] Website des Transplantationszentrums Freiburg. http://www.transplantationszentrum-freiburg.de (zuletzt besucht am 14.11.2013)
[7] Liefeldt L, Giessing M, Fuller TF et al.: Lebendnierentransplantation. Nephrologe 2006; 1: 63-70.

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