Nach dem Transplantationsgesetz sind Lebendspenden nur unter engen Verwandten oder sich sehr nahestehenden Menschen erlaubt.
Lebendspenden sind nur unter engen Verwandten oder sich sehr nahestehenden Menschen erlaubt.

Rechtliche und medizinische Voraussetzungen für eine Lebendspende

Eine Organspende von einem lebenden Menschen ist grundsätzlich nur möglich, wenn dessen Gesundheit durch den Eingriff langfristig nicht gefährdet wird. Daher ist die Lebendspende bisher nur für folgende Organe eine etablierte Methode:

  • Niere: Transplantation einer Niere
  • Leber: Transplantation von Teilen der Leber

Im Jahr 2009 wurden in Deutschland 2.772 Nieren transplantiert, davon 600 (21 %) nach einer Lebendspende. Lebendspenden der Leber sind seltener: Von 1.119 Lebertransplantationen erfolgten 60 (5 %) nach einer Lebendspende [1,2].

Rechtliche Voraussetzungen

Um den Organhandel und die damit verbundene Kriminalität zu vermeiden, werden im deutschen Transplantationsgesetz (TPG) strenge Vorgaben zur Lebendspende gemacht. Ein weiteres Ziel ist der Schutz des Spenders, der sich einem (wenn auch sehr geringen) gesundheitlichen Risiko aussetzt.

Der Spender muss [3]:

  • volljährig und einwilligungsfähig sein.
  • nach ärztlicher Beurteilung (auf Basis medizinischer Untersuchungen) als Spender geeignet sein, d. h. in einem guten Gesundheitszustand, so dass der Eingriff für ihn kein großes Risiko darstellt.
  • mit dem Empfänger verwandt sein oder ihm in besonderer persönlicher Verbundenheit nahe stehen (Verwandte ersten oder zweiten Grades, Ehegatten, eingetragene Lebenspartner, Verlobte oder enge Freunde).
  • durch einen Arzt aufgeklärt werden (z. B. über Zweck und Art des Eingriffs, die durchzuführenden Untersuchungen, Risiken des Eingriffs, Maßnahmen zum Schutz des Spenders, die zu erwartende Erfolgsaussicht der Transplantation).
  • freiwillig in die Entnahme einwilligen.
  • sich zur Teilnahme an einer ärztlich empfohlenen Nachbetreuung bereit erklären.

Darüber hinaus müssen unter anderem folgende Kriterien erfüllt sein [3]:

  • Die Transplantation sollte eine geeignete Behandlungsmaßnahme sein, um das Leben des Empfängers zu erhalten und die zugrunde liegende Erkrankung zu heilen bzw. deren Beschwerden zu lindern.
  • Es darf zum Zeitpunkt der Organentnahme kein geeignetes Organ aus einer postmortalen Spende zur Verfügung stehen. Dies trifft angesichts der langen Wartezeiten auf die Organe fast immer zu.
  • Die Aufklärung des Spenders muss in Anwesenheit eines weiteren Arztes erfolgen, der weder an der Entnahme noch an der Übertragung des Organs beteiligt sein darf.
  • Eine nach Landesrecht zuständige Kommission („Lebendspende-Kommission”) muss die Transplantation in einem Gutachten befürworten. Diese Kommission überprüft, ob sich Spender und Empfänger tatsächlich nahe stehen und dem Eingriff wirklich zustimmen. Informationen zur Lebendspende-Kommission

Medizinische Voraussetzungen

Die Blutgruppen von Spender und Empfänger sollten zueinander passen bzw. „kompatibel” sein. In Ausnahmefällen sind auch Blutgruppen-inkompatible Spenden möglich.
Informationen zu AB0-inkompatiblen Spenden

Besonders für die Nierentransplantation ist auch eine weitgehende Übereinstimmung von bestimmten Gewebemerkmalen (HLA-Antigene) wichtig. Dadurch wird das Risiko späterer Abstoßungsreaktionen gegen das Organ geringer. Ein wichtiger Test zu Beurteilung der Gewebeverträglichkeit ist die Kreuzprobe („cross-match”). Wird unter den Nahestehenden kein passender Spender gefunden (Gewebe- oder Blutgruppenunverträglichkeit), kann in sehr seltenen Fällen eine „Überkreuz-Lebendspende” (Cross-over-Transplantation) zwischen zwei Spender-Empfänger-Paaren durchgeführt werden [4].
Informationen zu Cross-over-Transplantationen

Der Spender muss selbstverständlich in einem guten Gesundheitszustand sein. Dies wird mit einer Reihe von medizinischen Untersuchungen überprüft.

Stand:
05.10.2010

Autor, Datum, Quellen

Inhaltlich verantwortlich:
Dr. med. Susanne Rödel

Erstellt am:
05.10.2010

Quellen:
[1] Eurotransplant. http://www.eurotransplant.nl (besucht am 30.06.2010)
[2] Deutsche Stiftung Organtransplantation. www.dso.de (besucht am 30.06.2010)
[3] Gesetz über die Spende, Entnahme und Übertragung von Organen und Geweben. http://bundesrecht.juris.de (besucht am 26.07.2010)
[4] Liefeldt L, Giessing M, Fuller TF et al.: Lebendnierentransplantation. Nephrologe 2006; 1: 63–70.

 

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