Langfristige Gesundheitsrisiken nach Nierentransplantation
Die erste Phase nach der Transplantation ist nun überstanden und die transplantierte Niere hat ihre Arbeit aufgenommen. Dennoch sind auch weiterhin regelmäßige Kontrolluntersuchungen notwendig, um das Überleben der neuen Niere zu sichern und die eigene Gesundheit zu schützen. Denn langfristig können u. a. folgende Erkrankungen bei Nierentransplantierten auftreten:
- Chronische Allograftnephropathie
- Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems
- Tumore, z. B. >> Hautkrebs
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Virus-Infektionen
Chronische Allograftnephropathie
Die Chronische Allograftnephropathie (CAN) ist eine Erkrankung des Nierentransplantats, in deren Verlauf die Nierenfunktion kontinuierlich abnimmt. Sie kann sich über Monate oder Jahre erstrecken und ist der häufigste Grund für ein Versagen des neuen Organs. Zehn Jahre nach der Transplantation zeigen sich in Gewebeproben (Biopsien) bei über der Hälfte der Transplantierten Zeichen einer CAN [1].
Die Erkrankung kann viele unterschiedliche Ursachen haben, u. a. (frühere) Abstoßungsreaktionen gegen das Transplantat und eine Unterversorgung der Niere mit Blut. Auch die jahrelange Einnahme von Calcineurinhemmern (CNI) kann zur Entstehung einer CAN beitragen, da diese Wirkstoffklasse der Immunsuppressiva die Niere schädigen kann. Um diese Nebenwirkung zu behandeln bzw. ihr vorzubeugen, passen Ärzte die immunsuppressive Behandlung für jeden Transplantierten individuell an.
Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
Einen nach einer Transplantation aufgetretenen Diabetes mellitus bezeichnet man als PTDM (Post-Transplant-Diabetes) oder NODAT (New-Onset-Diabetes after Transplantation). Ursachen für diese Form des Diabetes können z. B. akute Abstoßungsreaktionen, Übergewicht, aber auch die Therapie mit Immunsuppressiva sein. Bei Auftreten dieser speziellen Form der Zuckerkrankheit können unterschiedliche Maßnahmen ergriffen werden.
Virus-Infektionen
Immunsuppressive Medikamente bewirken, dass das eigene Abwehrsystem das „fremde" neue Organ nicht angreift und zerstört. Aus diesem Grund sind sie für den langfristigen Erfolg einer Nierentransplantation unverzichtbar. Gleichzeitig schwächen Immunsuppressiva jedoch die Abwehr des Körpers gegen Viren und Bakterien, wodurch Nierentransplantierte u. a. anfälliger für Virus-Infektionen sind.
Ein für das Überleben des Transplantats sehr gefährlicher Erreger ist das Polyoma-BK-Virus. BK-Viren sind in der Bevölkerung sehr weit verbreitet, führen jedoch nur bei beeinträchtigtem Immunsystem zu Symptomen. Unter den Nierentransplantierten erkranken nur wenige an einer durch das Polyoma-BK-Virus ausgelösten Entzündung der Niere. Wenn es zu dieser Entzündung kommt, wird die Niere allerdings oft so stark geschädigt, dass es zu einem Nierenversagen kommt, das Transplantat also nicht mehr funktionsfähig ist.
Eine Möglichkeit, die Wahrscheinlichkeit einer Infektion zu senken, ist die optimale Einstellung der immunsuppressiven Therapie. Diese sollte dem Leitsatz „So viel wie nötig, so wenig wie möglich" folgen, um das Immunsystem nicht unnötig stark zu schwächen und gleichzeitig zuverlässig einer Abstoßung vorzubeugen. Um das Virus selbst zu bekämpfen, setzen Mediziner in manchen Fällen auf eine medikamentöse Antiviren-Therapie.
Stand:
04.11.2009