Geschichte der Nierentransplantation

Die Idee, kranken Menschen mit schweren Organschäden ein funktionierendes Spenderorgan einzusetzen, ist Ärzten schon lange ein Anliegen. Die erste dokumentierte Transplantation fand bereits 1902 an einem Tier statt: Der Chirurg Emerich Ullmann verpflanzte eine Niere an den Hals eines Hundes. 1906 führte Matthieu Jaboulay eine Transplantation einer Schweineniere bei einer schwer nierenkranken Frau durch. Das neue Organ funktionierte zwar kurzzeitig, musste aber nach drei Tagen wieder entnommen werden.

Gründe für die Abstoßung werden entdeckt

In den folgenden Jahren zeigte sich, dass Transplantationen von Eigengewebe lange Zeit erfolgreich waren. Von einem Menschen zum anderen verpflanzte Transplantate funktionierten jedoch nur wenige Tage bis einige Monate, und von Tieren stammende Organe wurden häufig schon nach Stunden abgestoßen. Es blieb die Frage, was für diese unterschiedliche Verträglichkeit verantwortlich war. 1914 entdeckte J. B. Murphy die wichtige Rolle der Lymphozyten für die Abstoßung fremden Gewebes.

Die erste Transplantation, die dauerhaft erfolgreich blieb, war eine Nierentransplantation. Im Jahr 1954 transplantierte der Chirurg Joseph Murray aus Boston einem schwer nierenkranken Patienten die Niere seines eineiigen Zwillingsbruders. Dieser Erfolg ließ sich jedoch zunächst nur auf eineiige Zwillinge übertragen, da diese - und somit auch deren Immunsystem - genetisch identisch sind. Deshalb wurde das verpflanzte Organ nicht vom Immunsystem des Empfängers bekämpft.

Erster Einsatz der Immunsuppression

Ein weiterer Durchbruch in der Transplantationsmedizin ereignete sich ebenfalls in Boston: 1959 glückte die erfolgreiche Verpflanzung einer Niere von einem zweieiigen Zwillingsbruder zum anderen. Um das Immunsystem zu unterdrücken und dadurch Abstoßungsreaktionen zu verhindern (Immunsuppression), setzten die Ärzte Röntgenstrahlen und Steroide ein. Durch die Immunsuppression gelangen später auch Transplantationen zwischen nicht verwandten Personen, jedoch führte die damals übliche Kombinationsbehandlung mit Bestrahlungen, Steroiden und - später - einer begleitenden Gabe von 6-Mercaptopurin meist zu schweren Nebenwirkungen.

Nur drei Jahre später gelang Bostoner Ärzten eine Transplantation zwischen nicht verwandten Personen mit einer rein medikamentösen Immunsuppression.

Nierentransplantation in Deutschland

Die erste Nierentransplantation in Deutschland wurde im Jahr 1963 in Berlin von den Ärzten Wilhelm Brosig und Reinhard Nagel durchgeführt. Mittlerweile ist sie hierzulande ein etabliertes Behandlungsverfahren: Jährlich erhalten mehr als 2000 Menschen durch eine Transplantation eine neue Niere (aus postmortaler Organspende und aus Lebendspende).

Da sowohl die angewandten Operationstechniken als auch die medikamentöse Therapie mit Immunsuppressiva seit Beginn der sechziger Jahre enorme Fortschritte erzielt haben, weisen Nierentransplantationen heute eine gute langfristige Prognose auf.

Stand:
07.12.2017

Autor, Datum, Quellen

Inhaltlich verantwortlich:
Dr. med. Susanne Rödel

Aktualisiert am:
22.12.2010, 20.05.2014, 07.12.2017

Erstellt am:
10.11.2009

Quellen:
[1] Geschichte der Transplantation - Amüsantes und Lehrreiches. Broschüre der Novartis Pharma GmbH
[2] Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) (www.dso.de; zuletzt besucht am 12.05.2017)

nach oben