1) Niere mit Nierenrinde
1) Niere im Anschnitt

Aufbau und Funktion der Nieren

Die Nieren übernehmen im menschlichen Körper eine Reihe (lebens-)wichtiger Aufgaben. Die wichtigsten sind die Filterung des Blutes und die Produktion von Urin (Harn), der über die Blase und die Harnröhre ausgeschieden wird. Um zu verstehen, auf welche Weise die Nieren das Blut filtern und Harn produzieren, lohnt sich ein Blick auf die Anatomie (den Aufbau) dieses Organs:

Die Nieren sind faustgroße, bohnenförmige Organe. Jeder Mensch wird mit zwei Nieren geboren. Sie befinden sich rechts und links der Wirbelsäule und liegen auf der Höhe der unteren Brustwirbel und der oberen Lendenwirbel. Die Nieren lassen sich - von außen nach innen betrachtet - in drei Bereiche unterteilen: Nierenrinde, Nierenmark und Nierenbecken.

Nierenmark 2) Nephron
2) Nephron

Nierenrinde

In der Nierenrinde befinden sich die eigentlichen „Filter" der Niere, die so genannten Nephrone. In jeder Niere gibt es bis zu 1,4 Millionen Nephrone. Sie bestehen aus Nierenkörperchen und Nierenkanälchen (Tubuli). Die Nierenkörperchen wiederum bestehen aus einem Gefäßknäuel (Glomerulus), welches von einer Kapsel umgeben ist.

Diese Gefäßknäuel (Glomeruli) sind mit zwei Arterien, die für den Zu- und Abfluss des Blutes sorgen, sowie den Nierenkanälchen verbunden. Die Wände der Glomeruli sind - ähnlich einem Sieb - für einige kleine Blutbestandteile wie Harnstoff, Zuckermoleküle, Wasser und Salze durchlässig, nicht jedoch für größere Bestandteile, wie z. B. die weißen oder roten Blutkörperchen. Fließt Blut durch die Glomeruli hindurch, werden die kleineren Substanzen zusammen mit etwas Wasser aus dem Blutgefäß herausgepresst und gelangen in die angeschlossenen Nierenkanälchen. Die in diesem ersten Schritt aus dem Blut herausgefilterte Flüssigkeit wird als Primärharn bezeichnet.

Die Nierenkanälchen nehmen über ihre ebenfalls siebartigen Gefäßwände einen Großteil der herausgefilterten Stoffe und des Wassers aus dem Primärharn wieder auf. In ihm verbleiben hauptsächlich Substanzen, die bei einem Verbleib im Blut den Organismus belasten bzw. vergiften würden.

Nierenmark und Nierenbecken

Die Nierenkanälchen, die sich hauptsächlich durch die Nierenrinde ziehen, gehen in so genannte Sammelrohre über, die sich im Nierenmark befinden. Circa zehn Nierenkanälchen münden in ein Sammelrohr. Auch hier wird dem Primärharn Wasser entzogen. Das Nierenmark ist pyramidenförmig angeordnet. Die Spitze dieser Pyramiden (Papillen) mündet in die Nierenkelche, die den nun konzentrierten Harn aufnehmen und ihn in das Nierenbecken weiterleiten. Von dort verlässt er die Niere über den Harnleiter.

Weitere Funktionen der Nieren

Neben der Filterung des Blutes und der Produktion des Urins übernehmen die Nieren noch weitere wichtige Aufgaben.

Sie produzieren ein im Zusammenhang mit der Blutbildung wichtiges Hormon - das Erythropoetin. Es wird in die Blutbahn abgegeben und gelangt so unter anderem zum Knochenmark. Hier regelt es die Neubildung roter Blutkörperchen, die für die Aufnahme von Sauerstoff in das Blut und den Transport des Sauerstoffs zu den Körpergeweben zuständig sind.

Die Nieren wandeln außerdem Vitamin D in seine aktivierte Form (Calcitriol) um. Vitamin D fördert die Aufnahme von Kalzium aus der Nahrung und erhöht den Kalziumspiegel im Blut. Auf diese Weise fördert es den Einbau von Kalzium in die Knochen und erhöht die Knochenstabilität.

Auch das Enzym Renin wird in den Nieren gebildet. Es ist an der Regulation des Blutdrucks und des Flüssigkeitshaushalts beteiligt. Renin setzt einen Prozess in Gang, an dessen Ende sich die Gefäße verengen und weniger Wasser und Salze ausgeschieden werden. Beide Effekte erhöhen den Blutdruck.

Da die Nieren die Zusammensetzung des Harns kontrollieren, beeinflussen sie über die Ausscheidung verschiedener Substanzen zudem den Säure-Basen-Haushalt und den Salzhaushalt des Körpers.

Stand:
20.05.2014

Autor, Datum, Quellen

Inhaltlich verantwortlich:
Dr. med. Susanne Rödel

Aktualisiert am:
22.12.2010, 20.05.2014

Erstellt am:
10.11.2009

Quellen:
[1] Aumüller G et al.: Anatomie. Thieme Verlag, Stuttgart 2007
[2] Schmidt RF: Physiologie des Menschen : mit Pathophysiologie. Springer Verlag, Berlin 2007

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