Verschiedene Klassen der Immunsuppressiva wirken in unterschiedlichen Phasen der Abstoßungsreaktion.
Verschiedene Immunsuppressiva wirken in unterschiedlichen Phasen der Abstoßungsreaktion [1,2].

Substanzklassen der Immunsuppressiva

Es gibt mehrere Arten bzw. Klassen von Immunsuppressiva. Je nach transplantiertem Organ und medizinischen Voraussetzungen des Transplantierten werden diese Substanzklassen individuell zusammengestellt.

Kortikosteroide (Kortison-Präparate) hemmen das Immunsystem an mehreren Stellen. Sie unterbinden die Anlagerung und Aussendung von Botenstoffen, also die Signalübertragung zwischen den Zellen. Dadurch verhindern sie, dass sich neue Immunzellen bilden und vermehren.

Zu den Calcineurinhemmern gehören die Substanzen Ciclosporin (Cyclosporin A) und Tacrolimus. Sie verhindern, dass teilweise aktivierte T-Zellen sich vollständig aktivieren.

Die mTOR-Hemmer Sirolimus und Everolimus setzen einen Schritt später an. Sie verhindern die Zellteilung der T-Zellen und damit deren Vermehrung.

Die DNA-Synthese-Hemmer Mycophenolsäure und Azathioprin stören ebenfalls die Zellteilung der T-Zellen.

Eine weitere Substanzklasse bilden spezielle Antikörper (z. B. Anti-Thymozytenglobulin, Anti-Lymphozytenglobulin oder der gegen den Interleukin-2-Rezeptor gerichtete Antikörper Basiliximab). Diese Antikörper zerstören gezielt die für die Immunabwehr wichtigen T- und B-Zellen. Antikörper werden in manchen Fällen und nur für kurze Zeit um die Transplantation herum eingesetzt, wenn eine besonders starke Immunsuppression notwendig ist.

Direkt nach einer Organtransplantation werden meist drei verschiedene Substanzklassen kombiniert. Oft besteht die immunsuppressive Behandlung z. B. aus Kortikosteroiden, einem Calcineurinhemmer und einem Wirkstoff aus einer anderen Substanzklasse (entweder einem mTOR-Inhibitor oder einem DNA-Synthese Hemmer). Wenn keine Abstoßung auftritt, kann eventuell nach einigen Wochen die Dosis verringert werden. Außerdem kann versucht werden, die Behandlung mit nur zwei Immunsuppressiva fortzuführen, indem man z. B. die Kortikosteroide erst langsam in der Dosis „ausschleicht“ und dann ganz weglässt. Ein wichtiges Behandlungsziel ist, auch langfristig nach der Transplantation eine gute Nierenfunktion zu erhalten.

Stand:
05.12.2017

Autor, Datum, Quellen

Inhaltlich verantwortlich:
Dr. med. Susanne Rödel

Aktualisiert am:
02.09.2010, 20.05.2014, 05.12.2017

Erstellt am:
19.08.2009

Quellen:
[1] Halloran PF: Immunosuppressive drugs for kidney transplantation. N Engl J Med 2004; 351(26): 2715-29.
[2] Girndt M: Impfungen nach Organtransplantation. Faltblatt
[3] Renders L, Kunzendorf U: Immunsuppressive Medikamente in der Therapie nach Nierentransplantation. Nephrologe 2007, 2: 157-166