Die Wartezeit
Seit 1972 bin ich Typ-1-Diabetiker. Im Laufe der letzten Jahre verschlechterte sich meine Nierenfunktion. Ständig steigende Kreatininwerte und eine Verschlechterung der Kreatinin-Clearance veranlassten meinen Nephrologen dazu, mir das Thema Transplantation nahe zu legen. Um die drohende Dialyse zu vermeiden, empfahl mir mein Arzt Ende 2003 eine präemptive Transplantation von Niere und Bauchspeicheldrüse. Präemptiv heißt, es wird eine Transplantation durchgeführt, ohne dialysepflichtig zu sein. Mein Arzt hat mir Protokolle verschiedener Transplantationszentren gegeben, um mich vorab über den Umfang des Eingriffes und die Risiken zu informieren. Aus meiner Arbeit im Bereich Diabetes kannte ich den einen oder anderen, der eine solche Transplantation mitgemacht hatte. Von diesen Menschen habe ich mir berichten lassen, wie sie den Eingriff erlebt hatten. Hiervon ermutigt habe ich mich dann im März 2004 zu dem Schritt entschlossen.
Schnell war ein Termin im Transplantationszentrum vereinbart. Im ersten Gespräch mit den zuständigen Ärzten wurde meine Einstellung und die meiner Frau zu dem Eingriff abgeklärt. Dann wurden auch umgehend Termine für die notwendigen Untersuchungen wie Herzfunktion, Lungenfunktion, Zahnstatus, Hautarzt usw. festgemacht. Anfang Juli 2004 kam die Mitteilung, dass ich bei Eurotransplant gelistet bin.
Ich war zu dieser Zeit noch voll erwerbstätig, als Außendienstmitarbeiter im Diabetesbereich. Jetzt war klar: Es kann jederzeit der Anruf kommen. In Gedanken bin ich dies unzählige Male durchgegangen und für mich war klar: Egal wo ich unterwegs bin, ich fahre dann direkt in die Klinik. Die „Wartezeit" war nicht wirklich Warten. Es ging eigentlich wie gewohnt weiter, nur die Tasche für die Klinik, die immer im Auto lag, erinnerte mich daran.