Die Operation
Ende November 2004, ich hatte gerade meinen ersten Urlaubstag, klingelte Montagabend um halb zwölf unser Telefon. Es war der Anruf aus der Klinik. Es wurde nachgefragt, ob es mir momentan gut geht, ob ich keine Erkältung habe und ob in den letzten Tagen eventuell eine Bluttransfusion gelaufen sei. Nein, alles kein Thema. Wir haben ein Organangebot für Sie. Können sie kommen? Ja, ich kann. Dann lief alles ab, wie so oft in Gedanken durchgespielt: Info an meinen Arbeitgeber, den AB besprechen und auf Ansage schalten, ins Auto und ab in die Klinik. Zügig, aber ruhig.
Gegen zwei Uhr waren wir im Transplantationszentrum. Dort wurde jede Menge Blut abgenommen, großes Labor, rasieren, duschen, EKG, Röntgen. Noch einmal die Aufklärungsgespräche bezüglich des Eingriffes, das Einverständnis für den Eingriff, das Gespräch mit dem Anästhesisten. Die Nacht verging wie im Flug. Alle Befunde waren im grünen Bereich, und gegen Mittag ging es in den OP.
In dieser Phase war alles irgendwie real und doch irgendwie auch weit weg. Gegen 21 Uhr wurde ich das erste Mal auf der Intensivstation wach. Noch unter Einfluss der Narkosemittel verspürte ich keinerlei Schmerzen.
Doch da war etwas, was ich auch heute noch als wundervoll und einzigartig empfinde. Ich fühlte mich „gesund". Eine lange, nicht mehr gekannte Energie strömte durch meinen Körper. Und gleichzeitig fühlte ich eine unendliche Dankbarkeit in diesem Moment. Ich betete und dankte für dieses Geschenk und dachte auch den Menschen, dem ich dies zu verdanken hatte. Und das irgendwo in Deutschland jetzt auch eine Familie war, die trauerte und ich mich gleichzeitig hier freuen durfte. Das war emotional eine sehr tiefgreifende Phase, die mich auch heute noch bewegt.