24.12.2005 Drei Wochen nach TX
Die ersten Monate (Seite 1 von 1)

Die ersten Monate

In den nächsten Wochen wurde die Dosierung der Immunsuppression angepasst, der Medikamentenplan und die Einnahmezeiten abgeklärt. Alle zwölf Stunden die Immunsuppressiva pünktlich einnehmen, kein Grapefruitsaft oder -frucht, da diese die Wirkung der Medikamente beeinflussen. Was tun, wenn die Medikamente vergessen wurden? Wie reagieren, wenn die Körpertemperatur steigt? Es gab viel Neues zu lernen. Dann, an Heiligabend, konnte ich nach Hause. Es war Weihnachten, ein ganz besonderes Weihnachten. Wie ungewohnt war es in den ersten Wochen, nicht mehr an Broteinheiten zu denken und das Insulin für das Essen zu berechnen. Jeden Tag aufs Neue wie ein Wunder. Jeden Tag hab ich als neues Geschenk empfunden und erlebt. Weg war die Abgeschlagenheit und Müdigkeit, die mich monatelang belastet hatten. Erst jetzt wurde mir bewusst, wie sehr ich doch belastet gewesen war. Man gewöhnt sich halt an Vieles.

Anfangs war ich alle drei Wochen in der Ambulanz des Transplantationszentrums zum Screening und wöchentlich bei meinem Nephrologen. Immer wieder die Medikamentenspiegel kontrollieren. Und die Buchhaltung, die notwendig wurde. In den ersten drei Wochen auch die Trinkmenge: Was ging rein, was kam raus? Weiterhin Blutdruck morgens, mittags und abends, Temperatur morgens und abends. Ich habe dies nicht als Aufwand empfunden. Was war das schon im Vergleich für dieses neue Leben? Und dann habe ich zwischendurch den Blutzucker kontrolliert. Nach über 30 Jahren mit Diabetes war es immer wieder faszinierend zu sehen, dass der Blutzucker auch nach einer Ladung Gummibärchen in Ordnung war. So musste ich mich als Kind gefühlt haben, eine längst vergessene Zeit.