Das neue Leben
Im April 2005 hab ich dann wieder angefangen, Vollzeit zu arbeiten. Alles war schön, alles war alt und doch war es neu. So hätte es für immer weitergehen können. Hätte.
Ende Mai 2005 fühlte ich mich von heute auf morgen schlapp. Leicht erhöhte Temperatur am Abend. Sofort am nächsten Morgen bin ich zu meinem Nephrologen. Doch die Laborwerte waren in Ordnung. Keine Hinweise auf eine Entzündung, keine Abweichungen der relevanten Werte wie Kreatinin, Lipase und Amylase. In den nächsten Tagen kam das Fieber jeden Abend wieder, immer höher. Also, ab in die Klinik, Anfang Juni. Hier sollte ich bis fast Ende September bleiben. Auch das nächtliche Fieber sollte bleiben, für über zehn Wochen. Verdacht auf Abstoßung - war es nicht. Verdacht auf Tuberkulose - war es nicht. Alle möglichen Untersuchungen, Einblicke durch jede Körperöffnung.
Dann wurde ein PET gemacht, jetzt zeigte sich die Ursache: Auf der transplantierten Bauchspeicheldrüse zeigte sich eine Ansammlung des radioaktiven Kontrastmittels.
In einer OP wurden dann Gewebeproben entnommen. Diagnose: Hoch malignes Non-Hodgin-Lymphom. Ein bösartiger Tumor. Vom Spender. Das war noch das ganz große Glück im Unglück: Auch der Tumor war Fremdgewebe und wurde von meinem Körper nicht angenommen. Es wurde eine Antikörper-Therapie durchgeführt, jede Woche eine Infusion. Zeitgleich ging es mir aber immer schlechter. Ich konnte zusehen, wie ich an Gewicht verlor. Ich war höchst anfällig für Infektionen und habe auch alles mitgenommen, was kam.
Dann machte die Leber schlapp, und von jetzt auf gleich hatte ich keine Ausscheidung mehr. Die Niere schaffte es nicht mehr. Alle Versuche, die Niere zu retten, schlugen fehl. So kam ich Anfang August von einem auf den anderen Moment an die Dialyse. Mein Zustand verschlechterte sich rapide. Nur mit einer Not-OP und der Explantation der Spenderorgane habe ich überlebt.