Wenn ein Spenderorgan für einen Empfänger gefunden wurde, muss alles zügig gehen: Je früher das entnommene Organ transplantiert wird, desto besser ist später seine Funktionsfähigkeit. So sieht der Ablauf im Vorfeld einer Transplantation aus:

Gibt es in einem Krankenhaus einen hirntoten Organspender und liegt die Einwilligung zur Organspende vor, nehmen die Ärzte Kontakt mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) auf. Die DSO informiert umgehend die niederländische Stiftung Eurotransplant und gibt die medizinischen Daten des hirntoten Spenders weiter.

Nachdem Eurotransplant diese Daten ausgewertet und einen möglichen Empfänger ausgewählt hat, benachrichtigen die Verantwortlichen dessen Transplantationszentrum. Die dortigen Ärzte entscheiden anhand der medizinischen Daten des Spenders, ob das Organ für den Empfänger geeignet ist

Ist dies der Fall, nimmt das Transplantationszentrum Kontakt mit dem Patienten auf und erkundigt sich über seinen gesundheitlichen Zustand. Ist er körperlich in der Lage für eine baldige Operation, soll er innerhalb von zwei bis drei Stunden ins Transplantationszentrum kommen. Daher ist es wichtig, dass man als Patient auf der Warteliste gut erreichbar ist. Bei Auslandsaufenthalten ist es ratsam, Vorsorge für einen schnellen Rückflug zu treffen (z. B. durch eine Mitgliedschaft bei der Deutschen Rettungsflugwacht oder andere Formen der Rücktransportabsicherung).

Die DSO organisiert anschließend den schnellstmöglichen Transport des Organs vom Ort der Entnahme zum zuständigen Transplantationszentrum. Ist der Empfänger des Organs im Transplantationszentrum eingetroffen, beginnen die Vorbereitungen zur Operation.

Bei einer Nierentransplantation hat man für die Vorbereitungen mehr Zeit als bei anderen Organen: In der Regel startet die Operation ca. sechs bis acht Stunden nachdem der Empfänger im Transplantationszentrum eingetroffen ist. Von der Organentnahme bis zur Transplantation sollten nicht mehr als 36 Stunden vergehen.

Herz und Lungen hingegen sollen innerhalb von drei bis sechs Stunden, die Leber in acht bis neun Stunden transplantiert worden sein.

Welche Vorbereitungen sind für die Operation notwendig?

Etappen Operation Postmortale Spende Blutproben
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Ist der Empfänger des Organs im Transplantationszentrum eingetroffen, dauert es noch wenige Stunden, bis die Operation beginnt. In dieser Zeit führen die Ärzte noch einige für die Transplantation notwendige Voruntersuchungen durch und informieren den Patienten über den Ablauf und die Risiken der Operation.

Nach einer ausführlichen Befragung des Organempfängers zu seinem derzeitigen Gesundheitszustand und einer körperlichen Untersuchung entnimmt der Arzt Blutproben. Bestehende gesundheitliche Probleme, die eine Transplantation erschweren oder verhindern könnten, sollen im Vorfeld erkannt bzw. ausgeschlossen werden. Das Blut wird im Labor u. a. auf auffällige Gerinnungs- und Entzündungswerte sowie auf Virusinfektionen (u. a. HIV, Hepatitis, Epstein-Barr-Virus) überprüft. Zur diagnostischen Abklärung gehört weiterhin eine Röntgenuntersuchung der Lunge. Um den Zustand des Herzens zu überprüfen, wird ein EKG durchgeführt.

Nachdem die Untersuchungen und das Aufklärungsgespräch abgeschlossen sind, erhält der Empfänger oft bereits die ersten immunsuppressiven Medikamente. Bei Menschen, die an einem Nierenversagen leiden, wird vorher eventuell noch eine Dialysebehandlung vorgenommen.

Bei Nieren- und Pankreastransplantationen wird eine so genannte Kreuzprobe durchgeführt. Aus dieser Untersuchung können die Mediziner Schlüsse ziehen, ob das Spenderorgan für den Körper des Empfängers verträglich ist.

Was ist eine Kreuzprobe („Cross-Matching“)?

Eine Kreuzprobe („cross-match“) ist ein medizinisches Testverfahren. Mithilfe einer Kreuzprobe können Ärzte feststellen, ob sich das Gewebe des Spenderorgans mit dem des Empfängers verträgt. Der Test wird im Vorfeld einer Nieren- oder Pankreastransplantation durchgeführt.

Für eine Kreuzprobe benötigt man Blutserum des Empfängers und Blut, Lymphknoten- oder Milzzellen des Spenders. Der Test ermittelt, ob sich im Blutserum des Patienten Antikörper gegen das gespendete Gewebe befinden. Fällt der Test positiv aus (zeigt sich also eine Reaktion), sind Nieren- oder Pankreastransplantationen meist ausgeschlossen.

Normalerweise liegen im Labor des Transplantationszentrums bereits Serumproben von Personen auf der Warteliste vor. Diese werden in der Regel vierteljährlich entnommen. Die Kreuzprobe wird dann bereits vor der Einbestellung des Patienten durchgeführt. Oft wird jedoch auch unmittelbar vor der Transplantation noch eine Kreuzprobe vorgenommen.

Bei Nieren-Lebendspenden ist es mittlerweile möglich, in Ausnahmefällen auch bei positiver Kreuzprobe oder ungleicher Blutgruppe Nieren zu transplantieren. Um die Abstoßungsreaktion zu vermeiden, muss jedoch schon Wochen vor der Transplantation mit speziellen, aufwendigen Maßnahmen begonnen werden (z. B. eine spezielle Form der Blutwäsche, bei der die Antikörper gegen die blutgruppenfremden Zellen beseitigt werden). Mehr Informationen zur blutgruppeninkompatiblen Lebendspende finden Sie im Spezialthema Lebendspende.

Stand:
05.12.2017 

Autorin:
Dr. med. Susanne Rödel

Aktualisiert am:
02.09.2010, 20.05.2014, 05.12.2017

Erstellt am:
19.08.2009

Quellen:
[1] Deutsche Stiftung Organtransplantation (www.dso.de, zuletzt besucht am 12.05.2017)
[2] Krukemeyer MG, Lison AE: Transplantationsmedizin. De Gruyter Verlag, Berlin 2006
[3] Medizinischer Beirat von „Transplantation verstehen"
[4] Keller CK, Geberth S: Praxis der Nephrologie. Springer Verlag, Berlin 2007
[5] Brauer RB, Stangl M,  Heemann U: Eine neue Niere ist wie ein neues Leben. Pabst Science Publishers Verlag, Lengerich 2006