Vor einer Lebendspende sollte man versicherungsrechtliche Dinge klären, z. B. die Übernahme der Kosten für die Behandlung, Lohnfortzahlung, Arbeitsunfähigkeit, Sozialversicherungsbeiträge, Berufsunfähigkeit.
Der Lebendspender ist noch nicht gegen alle theoretisch möglichen Risiken optimal abgesichert.

Versicherungsrechtlicher Status des Spenders

Da der Spender gesund ist und sich bewusst in eine Situation begibt, die seine Gesundheit gefährden könnte, stellt sich die Frage: Wer zahlt die Kosten der medizinischen Versorgung des Spenders? Und wie steht es um die soziale Absicherung, falls es doch einmal zu Komplikationen oder Spätschäden kommen sollte, die
z. B. zur Arbeitsunfähigkeit führen? 

Medizinische Behandlung und Verdienstausfall

Die Kosten für die medizinische Behandlung rund um die Transplantation zahlt die Krankenkasse bzw. Krankenversicherung des Empfängers [1]. Gleiches gilt für die Lohn- oder Entgeltfortzahlung während der Zeiten der Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Vorunter­suchungen, der Operation und der Nachbetreuung. Bei einer privaten Krankenversicherung sollte man sich jedoch vergewissern, dass die Übernahme der Kosten für die Behandlung und die Verdienstausfälle im Versicherungsvertrag nicht ausgeschlossen ist [2,3].

Der Anspruch auf Entgeltfortzahlung besteht für sechs Wochen. Der Arbeitgeber des Organspenders kann sich das fortgezahlte Arbeitsentgelt einschließlich der Sozialversicherungsbeiträge von der Krankenkasse bzw. dem privaten Krankenversicherungsunternehmen (ggf. anteilig mit der Beihilfe) des Organempfängers erstatten lassen [4]. Sollte die Arbeitsunfähigkeit länger als sechs Wochen dauern, hat der Organspender Anspruch auf Krankengeld (in Höhe des gesamten Nettoverdienstes bis maximal zur Beitragsbemessungsgrenze) [5].

Es ist in jedem Fall sinnvoll, sich vor der Transplantation bei der Krankenkasse/Versicherung des Empfängers zu erkundigen, welche Leistungen in welcher Höhe übernommen werden. Eine Checkliste finden Sie in unserem Informationsmaterial.

Komplikationen und Spätfolgen

Hinsichtlich der Absicherung von Komplikationen und Spätfolgen sind viele Risiken abgesichert. Nach dem Sozialgesetzbuch:

  • ist der Spender gesetzlich unfallversichert (§2 Abs. 1 Ziff. 13b SGB VII, § 26 SGB VII),
  • werden Schäden infolge direkter gesundheitlicher Komplikationen der Lebendspende in gleicher Weise behandelt wie Arbeitsunfälle (§ 27/28 SGB VII) [1].

Im Schadensfall fallen daher Leistungen an, die auch einem Arbeitsunfall-Verletzten kraft Gesetzes zustehen (Heilbehandlung, Verletzten-Geld bei Ausfall von Arbeitsentgelt, Renten, wenn eine Erwerbsminderung von mehr als 20 % besteht und über 26 Wochen anhält oder Leistungen an Hinterbliebene erbracht werden) [1].

Der Unfallversicherungsschutz bezieht sich auf alle Gesundheitsschäden im Zusammenhang mit der Organspende, die über eine regelmäßig entstehende Beeinträchtigung hinausgehen und mit der Spende im ursächlichen Zusammenhang stehen. Dabei spielt der zeitliche Abstand zwischen Spende und Gesundheitsschaden keine Rolle [4].

In manchen Fällen ist es schwierig zu entscheiden, ob die Unfallversicherung oder die Krankenkasse des Spenders „leistungspflichtig” ist. In dieser Situation kann der Spender bei einer der beiden Institutionen einen Antrag auf „vorläufige Leistungen” stellen [3].

Das Risiko einer Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit ist im Rahmen der gesetzlichen Rentenversicherung abgedeckt. Leider kann man sich bisher nicht gegen die damit verbundene Minderung des Einkommens mit möglichem „sozialem Abstieg” versichern [1].

Auch eine Risikoversicherung für den Tod des Spenders gibt es derzeit noch nicht.

Freistellung von der Arbeit

Als Lebendspender sollte man frühzeitig seinen Arbeitgeber darüber informieren, dass man sich für einige Wochen freistellen lassen möchte. Es handelt sich um eine unbezahlte Freistellung. Die Lohnfortzahlung wird von der Krankenkasse des Empfängers übernommen (s. o.).

Stand:
20.05.2014

Autor, Datum, Quellen

Inhaltlich verantwortlich:
Dr. med. Susanne Rödel

Aktualisiert am:
20.05.2014

Erstellt am:
05.10.2010

Quellen:
[1] Website der Stiftung Lebendspende. http://www.stiftung-lebendspende.de (zuletzt besucht am 14.11.2013)
[2] Frauendorfer S, Heemann U: Versicherungsrechtliche Absicherung des Lebendorganspenders (2007). Download bei http://www.stiftung-lebendspende.de (zuletzt besucht am 14.11.2013)
[3] Merkblatt der Bayerischen Landesärztekammer: Versicherungsrechtliche Absicherung des Spenders eines Lebendorgans. Download bei http://www.blaek.de (zuletzt besucht am 14.11.2013)
[4] Bundesministerium für Arbeit und Soziales. http://www.bmas.de (zuletzt besucht am 25.11.2013)
[5] AOK. http://www.aok-gesundheitspartner.de (zuletzt besucht am 25.11.2013)

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