Nach Nieren-Lebendspende funktioniert die transplantierte Niere im Durchschnitt länger als nach einer postmortalen Spende.
Funktionsraten nach Nierentransplantation (mod. nach [3])

Vorteile einer Lebendspende

Die Lebendspende hat gegenüber einer postmortalen Organspende einige organisatorische und medizinische Vorteile.

Organisatorische Vorteile der Lebendspende

Die Operation kann besser geplant werden: Den Termin legt das Transplantationszentrum in Abstimmung mit Spender und Empfänger fest – woraus sich auch medizinische Vorteile ergeben (s. u.). Der organisatorische Aufwand ist insgesamt geringer als bei einer postmortalen Organspende, da die Koordination von Eurotransplant und DSO sowie der Transport des Organs wegfallen.

Nach Leber-Lebendspende funktioniert der transplantierte Leber-Teil im Durchschnitt genauso lange wie nach einer postmortalen Spende.
Funktionsraten nach Lebertransplantation (mod. nach [3])

Medizinische Vorteile der Lebendspende

Organe aus Lebendspenden sind oft in einem etwas besseren Zustand als Organe, die aus postmortalen Spenden stammen. Gründe hierfür sind:

  • Spender und Empfänger werden in den Wochen vor der Lebendspende sehr ausführlich medizinisch untersucht. Dies dient u. a. dazu, mögliche Risiken zu erkennen und ggf. Komplikationen vorzubeugen. So kann für die Transplantation ein Zeitpunkt gewählt werden, an dem sich Spender und Empfänger in einem guten körperlichen und psychischen Zustand befinden.
  • Da Spender und Empfänger am gleichen Tag und im gleichen Krankenhaus „überlappend” operiert werden, ist die Zeit zwischen Entnahme und Transplantation des Organs („Ischämiezeit”) kürzer als bei einer postmortalen Organspende. Die Wahrscheinlichkeit für eine Organschädigung durch die fehlende Durchblutung (Sauerstoffmangel) ist dadurch geringer.
  • Bei Organen aus postmortalen Organspenden kann die Organfunktion durch den Hirntod des Spenders und die häufig vorangegangene Intensivtherapie in geringem Umfang herabgesetzt sein (Stark vorgeschädigte Organe werden nicht zur Transplantation frei gegeben.).

Ergebnisse nach Nieren-Lebendspende

Für schwer nierenkranke Menschen ist die Transplantation einer Niere aus einer Lebendspende die beste Behandlung – postmortale Organspende und Dialyse schneiden hinsichtlich der Lebenserwartung des Empfängers schlechter ab. Die Funktionsfähigkeit des transplantierten Organs ist bei der Lebendspende besser als bei der postmortalen Spende:

  • Ein Jahr nach der Nierentransplantation leben noch 98 % der Empfänger einer Lebendspende und 96 % der Empfänger einer postmortalen Spende. Nach fünf Jahren sind es 91 % im Vergleich zu 86 % [1]. Zur Lebenserwartung ab Beginn einer Hämodialyse­behandlung zeigte eine aktuelle Studie folgende Zahlen: Nach 3,6 Jahren lebten noch 63 % der Dialysepatienten [2]. Allerdings sind unter den Dialysepatienten auch Patienten, für die aus gesundheitlichen Gründen eine Transplantation nicht infrage kommt, denen es also ohnehin schlechter geht.
  • Nach einer Lebendspende transplantierte Nieren sind ein Jahr nach der Transplantation noch bei rund 95 % der Empfänger funktionsfähig, post­mortal gespendete Nieren bei ca. 85 %. Fünf Jahre nach der Transplantation zeigt sich mit 84 % gegen­über 70 % dieselbe Tendenz (siehe Abbildung 1) [3].

Neben der häufig besseren Organqualität wird als weiterer möglicher Grund für diese guten Ergebnisse der Nieren-Lebendspende auch eine größere Therapietreue (Compliance) der Transplantierten vermutet: Wenn man den Spender des Organs persönlich kennt, achtet man wahrscheinlich gewissenhafter auf die regelmäßige Medikamenteneinnahme – eine Abstoßung könnte das Organ gefährden und die selbstlose Spende des Nahestehenden „nutzlos” machen.

Ergebnisse nach Leber-Lebendspende

Bei der Leber-Lebendspende muss zwischen der Spende für ein Kind und für einen erwachsenen Empfänger unterschieden werden:

  • Kinder benötigen nur einen kleinen Teil des Organs des erwachsenen Spenders. Sie erhalten in der Regel ein Stück des linken Leberlappens von einem Elternteil oder einem nahen Verwandten. Das Operationsverfahren wird seit ca. 20 Jahren angewandt. Es birgt für Spender und Empfänger nur geringe Risiken. Die Überlebensraten der Empfänger und die Funktionsfähigkeit des Transplantats sind bei Kleinkindern (< 2 Jahren) nach der Lebendspende besser als nach einer postmortalen Organspende [4,5].
  • Erwachsene Empfänger benötigen einen größeren Teil der Leber des Spenders – es werden bis zu
    60 % des Lebervolumens des Spenders ent­nommen. Die Operation ist chirurgisch anspruchsvoll und sollte in einem erfahrenen Transplantations­zentrum durchgeführt werden. Die Überlebensraten der Empfänger und die Funktionsfähigkeit des Transplantats unterscheiden sich kaum zwischen Lebendspende und postmortaler Spende – in manchen Veröffentlichungen werden etwas bessere Ergebnisse für die Lebendspende beschrieben. Ein deutsches Transplantationszentrum berichtet, dass fünf Jahre nach einer Lebendspende-Transplan­tation noch 83 % der dort behandelten Patienten leben und 81 % der Lebern funktionieren [5].

Abbildung 2 zeigt eine Auswertung aller Lebertransplantationen in Deutschland (ohne Trennung von Kindern und Erwachsenen sowie erfahrenen und weniger erfahrenen Zentren): Auch hier unterscheiden sich die Funktionsraten nach Lebend- oder postmortaler Spende kaum: Fünf Jahre nach der Transplantation funktionieren noch 54,8 Prozent der Lebern von Lebendspendern und 55,1 Prozent der postmortal gespendeten Lebern [3].

Stand:
05.10.2010

Autor, Datum, Quellen

Inhaltlich verantwortlich:
Dr. med. Susanne Rödel

Erstellt am:
05.10.2010

Quellen:
[1] Chapman J: Guest editor's introduction; ANZDATA. Australia and New Zealand Dialysis and Transplant Registry, 2006
[2] Cooper BA, Branley P, Bulfone L et al.: A Randomized, Controlled Trial of Early versus Late Initiation of Dialysis. N Engl J Med 2010; 363: 609–19.
[3] Deutsche Stiftung Organtransplantation. www.dso.de (besucht am 28.07.2010)
[4] Roberts JP, Hulbert-Shearon TE, Merion RM, Wolfe RA, Port FK: Influence of graft type on outcomes after pediatric liver transplantation. Am J Transplant 2004; 4(3): 373–7.
[5] Walter J, Burdelski M, Bröring DC: Chancen und Risiken der Leber-Lebendspende-Transplantation. Dtsch Ärztebl 2008; 105(6): 101–7.

 

Weitere Artikel zum Thema Abwägungen: