CMV ist ein typischer Krankheitserreger nach einer Transplantation.
Die markierte Zelle ist mit dem Cytomegalievirus infiziert. (Quelle: CDC/ Dr. Edwin P. Ewing, Jr.)

Krankheitserreger nach der Transplantation

Theoretisch kommen nach einer Transplantation viele verschiedene Krankheitserreger als Auslöser von Infektionen in Betracht. Da die Infektionsgefahr in den ersten Wochen und Monaten besonders hoch ist, nehmen Transplantierte in dieser Zeit vorbeugend einige Medikamente ein, die vor einer Reihe von häufigen Krankheitserregern schützen.
Weitere Informationen zur Infektionsprophylaxe

Es gibt jedoch nicht gegen alle Erreger ein schützendes Medikament, und manchmal kommt es auch trotz Prophylaxe zu einer Infektion. Im Folgenden werden einige Krankheitserreger vorgestellt, die typischerweise bei immunsupprimierten Patienten Erkrankungen auslösen können:

Cytomegalievirus (CMV)

In Europa sind ca. 50 bis 90 % aller Menschen mit dem Cytomegalievirus infiziert. Die Infektion erfolgt meist in der Jugend. Der Ausbruch der Krankheit wird aber in der Regel vom Immunsystem verhindert - es werden Antikörper gegen das Virus gebildet. Unter starker Immunsuppression kann es bei Menschen, die das Virus in sich tragen, zu einer erneuten Erkrankung kommen („Reaktivierung"). Das Virus kann auch mit dem Spenderorgan übertragen werden. Dies ist besonders für die wenigen Patienten gefährlich, die vor der Transplantation noch keinen Kontakt mit dem CMV-Virus hatten, also noch keine Antikörper bilden konnten. Die CMV-Erkrankung tritt am häufigsten im ersten Jahr nach der Transplantation auf. Sie kann zu Entzündungen in der Leber, in der Speiseröhre, im Dickdarm, in der Lunge, im zentralen Nervensystem und an der Netzhaut führen.

Oft wird zum Schutz vor der CMV-Erkrankung in den ersten Monaten ein Virostatikum eingenommen. Ob dies notwendig ist, hängt vom individuellen Erkrankungsrisiko des Transplantierten ab: Wenn weder Spender noch Empfänger bei der Transplantation mit CMV infiziert waren, ist das Erkrankungsrisiko niedrig und eine Prophylaxe nicht nötig. Das Risiko ist am höchsten, wenn ein Empfänger, der bislang noch nie mit dem Virus infiziert war, ein Organ eines Spenders erhält, der CMV-Träger war. Dieser Empfänger konnte bislang noch gar keine Immunabwehr gegen das Virus entwickeln [1,2].

Symptome der CMV-Erkrankung
Behandlung der CMV-Erkrankung

Pneumocystis jirovecii

Pneumocystis jirovecii (früher als Pneumocystis carinii bezeichnet) ist ein Erreger, der im Lungengewebe der meisten Erwachsenen vorhanden ist und unter starker Immunsuppression zu einer Lungenentzündung (Pneumonie) führen kann. Zum Schutz vor diesem Erreger werden nach der Transplantation häufig einige Monate lang (bei Lungentransplantierten lebenslang [6]) Antibiotika eingenommen. Daher kommt es inzwischen seltener zu einer Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie (PCP). Ohne Prophylaxe würde beispielweise bei ca. 5 % der Nierentransplantierten etwa 2 bis 6 Monate nach der Transplantation eine solche Lungenentzündung auftreten [2,4].

Symptome der Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie
Behandlung der Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie

BK-Virus (BKV) nach Nierentransplantation

BK-Viren gehören - ebenso wie JC-Viren - zur Gattung der Polyomaviren. Fast alle Erwachsenen sind mit BK-Viren infiziert. Polyomaviren nisten sich in der Niere und in B-Lymphozyten ein. Eine Reaktivierung der BK-Viren kann zu einer Entzündung der Niere (Nephropathie), der Harnleiter oder/und der Harnblase führen. Eine Polyomavirus-Nephropathie tritt bei bis zu 10 % der Nierentransplantierten auf - meist etwa 8 bis 13 Monate nach der Transplantation. Die Erkrankung kann die transplantierte Niere so stark schädigen, dass diese nicht mehr ausreichend funktioniert, der Transplantierte also wieder dialysepflichtig wird [2,3]. Nach einer allogenen peripheren Blutstammzelltransplantation verursachen BK-Viren bei bis zu 15 % der Patienten eine blutige Harnblasenentzündung [7].

Symptome der BKV-Reaktivierung
Behandlung der BKV-Reaktivierung

Hepatitis-C-Virus (HCV) nach Lebertransplantation

Ein häufiger Grund für eine Lebertransplantation ist eine Leberzirrhose infolge einer Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus. Da dieses Virus noch nicht gezielt mit Medikamenten bekämpft werden kann, verbleibt es im Körper und infiziert bei nahezu allen HC-Virusträgern die neue, transplantierte Leber. Dabei kommt es zunächst zu einer erneuten Entzündung der Leber (Hepatitis). Langfristig kann sich wieder eine Zirrhose bilden [5].

Symptome der Hepatitis C
Behandlung der Hepatitis C

Papillomaviren

Studien zur Entstehung des Hautkrebsrisikos zeigen, dass die Besiedelung von Menschen mit Papillomaviren die Entstehung von Hautkrebs begünstigt. Gegen diese Viren besitzen Organtransplantierte ebenfalls, wie gegen andere Viren, eine reduzierte Abwehr. Daher ist der Sonnenschutz nach Transplantation so wichtig [8].

Stand:
06.12.2017

Autor, Datum, Quellen

Inhaltlich verantwortlich:
Dr. med. Susanne Rödel

Erstellt am:
11.02.2010

Aktualisiert am:
20.05.2014, 06.12.2017

Quellen:
[1] Diagnostik und Therapie von CMV-Infektionen nach Nierentransplantation. Mitt d Dt Arbeitsgemeinschaft f Klin Nephrologie 2003;
32: 207-20.
[2] Fishman JA: Infection in solid-organ transplant recipients. N Engl J Med 2007; 357: 2601-14.
[3] Nickeleit V, Mihatsch MJ: Polyomavirus nephropathy in native kidneys and allografts: an update on an escalating threat. Transpl Int 2006; 19(12): 960-73.
[4] Empfehlungen der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG) zur Prophylaxe und Therapie der Pneumocystis jirovecii (carinii) Pneumoni (PCP) vom 30. April 2008.
[5] Bahra M, Neuhaus P, Neumann UP: Hepatitis C - Ein Problem für die Lebertransplantation? Transplantationsmedizin 2007; 19: 72-78. http://www.transplantation.de/ fileadmin/ transplantation/ txmedizin/ txmedizin_2007_3/ 02_bahra.pdf (zuletzt besucht am 11.05.2017)
[6] Wahl O, Gottlieb J: Für welche Patienten kommt die Lungentransplantation infrage? Pneumo-News 2009; (5): 37-41.
[7] Hirsch HH, Randhawa P; AST Infectious Diseases Community of Practice: BK Polyomavirus in Solid Organ Transplantation. Am J Transplant 2013; 13: 179-188.
[8] Connolly K, Manders P, Earls P, Epstein RJ: Papillomavirus-associated squamous skin cancers following transplant immunosuppression: one Notch closer to control. Cancer Treat Rev 2013.

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