Der Ursprung der Infektionen nach einer Organtransplantation ändert sich im Laufe der Zeit.
Ursprung der Krankheitserreger bei Infektionen nach einer Transplantation

Erhöhtes Infektionsrisiko nach Organtransplantation

Damit das transplantierte Organ nicht vom Abwehrsystem des eigenen Körpers abgestoßen wird, müssen Transplantierte lebenslang Immunsuppressiva einnehmen. Da diese Medikamente auch die Abwehr gegen Infektionen schwächen, sind Transplantierte etwas anfälliger für Infektionen durch verschiedene Krankheitserreger.

Besonders hoch ist das Infektionsrisiko in den ersten Monaten nach der Transplantation, weil in dieser Zeit mehr Immunsuppressiva eingenommen werden müssen (meist eine Kombination aus drei verschiedenen immunsuppressiven Medikamenten und in höherer Dosierung). In den ersten Wochen tragen weitere Faktoren zum erhöhten Infektionsrisiko bei:

  • Keime können über noch nicht verheilte Operationswunden oder über Katheter in den Körper gelangen.
  • Im Krankenhaus kann man sich mit Keimen anstecken, die im alltäglichen Umfeld seltener vorkommen (so genannte „nosokomiale Infektionen")
  • Sehr selten können Infektionen des Spenders mit übertragen werden.

Es kommt auch vor, dass bereits länger im Körper vorhandene Krankheitserreger nun aufgrund der eingeschränkten Abwehr zu einer Erkrankung führen („latente Infektion").

Um das Infektionsrisiko zu vermindern, werden in der ersten Zeit nach der Transplantation vorbeugend Medikamente eingenommen, die gegen einige typische Erreger wirksam sind. Zusätzlich sollten sich Transplantierte durch verschiedene Vorsichtsmaßnahmen vor Infektionen schützen.
Weitere Informationen zur Infektionsprophylaxe.

Nach etwa sechs Monaten wird die Infektionsgefahr geringer. Wenn Transplantierte danach an einer Infektion erkranken, stammen die Krankheitserreger meist aus der normalen Umwelt. Die Krankheitssymptome sind allerdings oft stärker ausgeprägt als bei Nicht-Transplantierten. 

Warum kann es sehr selten passieren, dass Organe von Spendern mit Infektionen übertragen werden?

Grundsätzlich wird bei allen potenziellen Organspendern vor der Organentnahme untersucht, ob sie mit Krankheitserregern infiziert sind. Mit Laboruntersuchungen wird dabei gezielt nach vielen möglichen Krankheitserregern gesucht. Leider gibt es einige wenige Erreger, die man noch nicht gezielt nachweisen kann. Bei hirntoten Organspendern kommt hinzu, dass die Organe innerhalb eines bestimmten Zeitfensters entnommen werden müssen. Manche Laboruntersuchungen nehmen jedoch mehr Zeit in Anspruch, als in dieser Situation zur Verfügung steht. Wenn sich ein Spender ganz frisch infiziert hat, kann der Erreger auch nicht immer nachgewiesen werden.

Es bleibt also trotz gründlicher Untersuchungen ein sehr geringes Restrisiko, dass mit dem transplantierten Organ auch Krankheitserreger übertragen werden. Dies gilt im Wesentlichen für virale Infektionen. Bei Lungentransplantationen können in Spenderlungen auch nicht entdeckte Infektionsherde anderer Erreger übertragen werden. Führen die Erreger beim Empfänger zum Ausbruch einer Infektionskrankheit, können sie mit verschiedenen Medikamenten behandelt werden.

Bei manchen weit verbreiteten Erregern, wie z. B. dem Cytomegalievirus (CMV), weiß man, dass der Virus mit übertragen wird. Bei jedem Spender wird daher überprüft, ob er mit CMV infiziert war oder ist. Die Erkrankungsgefahr beim Empfänger wird dann gegebenenfalls mit einer vorbeugenden Medikamenteneinnahme (Prophylaxe) vermindert.

Lesen Sie weiter, welche Krankheitserreger es grundsätzlich gibt und welche Krankheitserreger v. a. nach einer Transplantation Probleme bereiten können.

Stand:
06.12.2017

Autor, Datum, Quellen

Inhaltlich verantwortlich:
Dr. med. Susanne Rödel

Erstellt am:
11.02.2010

Aktualisiert am:
20.05.2014, 06.12.2017

Quellen:
[1] Fishman JA: Infection in solid-organ transplant recipients. N Engl J Med 2007; 357: 2601-14.

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