Infusionsflasche - Medikamente zur Behandlung einer Infektion nach der Transplantation werden oft als Infusionen verabreicht.
Die Medikamente werden oft als Infusion verabreicht.

Behandlung von Infektionen nach Organtransplantation

Wenn ein Transplantierter an einer Infektion erkrankt, werden die behandelnden Ärzte versuchen, die Dosis der Immunsuppressiva zu verringern. Dadurch kann die körpereigene Abwehr besser gegen die Infektion ankämpfen. Man sollte jedoch nicht eigenmächtig weniger Immunsuppressiva nehmen oder sie sogar völlig weglassen, weil es sonst zu einer Abstoßungsreaktion kommen kann. Die Dosis der Immunsuppressiva muss bei jedem Patienten individuell ausbalanciert werden. Weitere Informationen zur Dosisfindung finden Sie im Artikel Vorbeugung einer Abstoßung

Ist der Krankheitserreger gefunden, kann die Infektion meist gezielt mit bestimmten Medikamenten behandelt werden. Diese werden oft intravenös (z. B. als Infusionen) verabreicht, um schneller hohe Wirkstoffkonzentrationen im Körper zu erzielen.

Beispiele für die Behandlung einiger Infektionserkrankungen:

Cytomegalievirus (CMV): Eine CMV-Infektion wird mit dem Virostatikum Ganciclovir behandelt (oder mit der Tablettenform Valganciclovir). Bei schwerer Erkrankung erhalten die Patienten manchmal zusätzlich Antikörper, die speziell CMV bekämpfen (CMV-Hyperimmunglobulin) [1].

Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie (PCP): Diese Erkrankung wird über mehrere Wochen mit einem Antibiotikum (meist Cotrimoxazol) behandelt. Eine Besserung des Gesundheitszustands ist oft erst nach 5 bis 7 Tagen bemerkbar, in den ersten 2 bis 3 Tagen kann es den Erkrankten sogar schlechter gehen. Während der Behandlung sollte man viel trinken, da die Nieren in dieser Zeit stärker belastet sind [2].

BK-Viren: Leider gibt es bisher kein Medikament, das bei der Mehrzahl der Patienten sicher die BK-Viren töten kann. In manchen Fällen ist die Behandlung mit verschiedenen Virostatika erfolgreich [3]. Zusätzlich kann die Immunsuppression angepasst werden. Beispielsweise ist eine Reduktion der Gesamt-Immunsuppression bei gleichzeitiger Kombination mit mTOR-Hemmern möglich [4].

Hepatitis-C-Virus (HCV): Bei einer HCV-Reinfektion wird versucht, die Dosis des Kortikosteroids ("Cortison") zu reduzieren, damit das Immunsystem besser die Vermehrung des Virus eindämmen kann. Außerdem kann unter Umständen Interferon und ein Virostatikum eingesetzt werden [5]. Dies hängt vom Untertyp des HC-Virus ab nicht alle Virustypen sind empfindlich gegen die Virostatika. Ferner treten nicht selten Nebenwirkungen der antiviralen Therapie auf [2]. Interferone wirken stimulierend auf das Immunsystem, insbesondere bei der Bekämpfung von manchen Viruserkrankungen.

Stand:
20.05.2014

Autor, Datum, Quellen

Inhaltlich verantwortlich:
Dr. med. Susanne Rödel

Erstellt am:
11.02.2010

Aktualisiert am:
20.05.2014

Quellen:
[1] Fishman JA: Infection in solid-organ transplant recipients. N Engl J Med 2007; 357: 2601-14.
[2] Medizinischer Beirat von „Transplantation verstehen"
[3] Bansal L et al.: Polyomavirus-associated Nephropathy Presenting Late After Transplantation: Treatment and Management. http://www.medscape.com/viewarticle/573600_3 (zuletzt besucht am 14.11.2013)
[4] Hirsch HH, Randhawa P; AST Infectious Diseases Community of Practice: BK Polyomavirus in Solid Organ Transplantation. Am J Transplant 2013; 13: 179-188.
[5] Bahra M, Neuhaus P, Neumann UP: Hepatitis C - Ein Problem für die Lebertransplantation? Transplantationsmedizin 2007; 19: 72-78. http://www.transplantation.de/fileadmin/transplantation/txmedizin/txmedizin_2007_3/02_bahra.pdf (zuletzt besucht am 14.11.2013)

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