Nahrungsmittelallergie nach Lebertransplantation
Ein spezielles Problem stellen Nahrungsmittelallergien (bzw. Lebensmittelallergien) nach einer Lebertransplantation dar. Hiervon sind vor allem Kinder betroffen.
Auch unter Nicht-Transplantierten leiden Kinder häufiger unter Nahrungsmittelallergien als Erwachsene. Dies liegt daran, dass das kindliche Immunsystem erst lernen muss, welche Stoffe (insbesondere Eiweiße) in der Nahrung zum eigenen Körper gehören und welche als gefährliche Stoffe abgewehrt werden müssen [1]. Nahrungsmittelallergien, die im Kleinkindalter begonnen haben, klingen oft im Laufe einiger Jahre ab [2].
Nach einer Lebertransplantation entwickeln relativ viele Kinder (vor allem Kleinkinder < 1 Jahr) Nahrungsmittelallergien. Die Angaben zur Häufigkeit reichen in unterschiedlichen Studien von 6 % bis 57 % der transplantierten Kinder. Bei anderen Organtransplantationen wird dieses Phänomen nur selten beobachtet [3].
Die allergischen Beschwerden beginnen meist innerhalb des ersten Jahres nach der Transplantation [3,4]. Die Kinder sind zunächst gegen eine ganze Reihe von Stoffen allergisch (ca. 3 bis 8). Innerhalb einiger Jahre werden die Symptome oft milder, und manche der allergieauslösenden Nahrungsmittel können wieder gegessen werden. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass die Kinder irgendwann gar keine Nahrungsmittelallergie mehr haben [3].
Die transplantierten Kinder sind gegen die gleichen Lebensmittel allergisch wie andere Kinder. Am häufigsten kommt es zu Allergien gegen Eier, Milch, Weizen, Soja und Erdnüsse [3].
Es ist noch nicht geklärt, warum sich bei lebertransplantierten Kindern häufiger Nahrungsmittelallergien entwickeln. Faktoren, die bei der Allergieentstehung eine Rolle spielen könnten, sind zum einen der oben genannte Lernprozess des Immunsystems von Kleinkindern und zum anderen eine mögliche Beeinflussung dieses Lernprozesses durch die lebenswichtigen Immunsuppressiva [3].
Bei erwachsenen Empfängern und nach der Transplantation anderer Organe entwickeln sich nur sehr selten Nahrungsmittelallergien.
Stand:
22.03.2010