Lebendspende oder postmortale Spende?
Woher bekommt man eine neue Niere, wenn die eigenen Nieren versagen? Das neue Organ kann entweder von einem noch lebenden (Lebendspende) oder einem verstorbenen (postmortale Spende) Spender stammen.
Unterschiede zwischen Lebendspende und postmortaler Spende
Ein wesentlicher Unterschied besteht in der Zeit, die schwer nierenkranke Menschen auf ein neues Organ warten müssen. Ist man auf eine Niere von einem verstorbenen Spender angewiesen, erfolgt die Vergabe über die Warteliste der Stiftung Eurotransplant. Die Wartezeit beträgt dann durchschnittlich fünf bis sechs Jahre, wobei der erste Tag der Dialyse als Beginn der Wartezeit zählt.
Bei einer Lebendspende kann diese Wartezeit vollständig entfallen, sofern schon vor Beginn der Dialysetherapie ein Spender vorhanden ist. Hat sich ein potenzieller Spender bereit erklärt, eine Niere zu spenden, kann die Transplantation theoretisch schon einige Wochen später stattfinden. Dazu müssen unter anderem folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
- Der Spender ist mit dem Empfänger verwandt oder steht ihm persönlich nahe.
- Die Gewebemerkmale von Spender und Empfänger passen zueinander.
- Die Lebendspende-Kommission stimmt der Transplantation zu.
- Der Eingriff bedeutet für den Spender kein unangemessenes gesundheitliches Risiko.
- Der Spender ist in einem guten Gesundheitszustand.
Weitere Informationen
zum Ablauf einer Lebendspende
zum Ablauf einer postmortalen Spende
Medizinische Vorteile der Lebendspende
Da Organspender und -empfänger sich bei einer Lebendspende im gleichen Krankenhaus befinden, ist die Zeit zwischen Entnahme und Transplantation der Niere vergleichsweise kurz. Zudem ist der Spender zum Zeitpunkt der Organentnahme in einer guten körperlichen Verfassung. Aus diesen Gründen sind Nieren von Lebendspendern meist in einem etwas besseren Zustand als die von postmortalen Spendern.
Dadurch sind sie von höherer Qualität: Während eine nach einer Lebendspende verpflanzte Niere ein Jahr später noch in rund 95 % der Fälle funktionsfähig ist, schneiden postmortal gespendete Nieren mit ca. 85 % schlechter ab. Fünf Jahre nach der Transplantation zeigt sich mit 84% gegenüber 70 % dieselbe Tendenz [1].
Auch die Lebenserwartung der Empfänger ist höher, wenn sie das Organ von einer noch lebenden Person bekommen: Ein Jahr nach der Nierentransplantation leben noch 98 % der Empfänger einer Lebendspende und 96 % der Empfänger einer Leichenspende. Nach fünf Jahren sind es 91 % im Vergleich zu 86 % [2].
Ethische Fragen zur Lebendspende
Eine Lebendspende wirft einige ethische Fragen auf, da sich ein gesunder Mensch operieren lässt und dadurch auch die bei jeder Operation vorhandenen Risiken in Kauf nehmen muss. Weil das gesundheitliche Risiko für den Spender jedoch sehr gering ist (0,02 % der Eingriffe verlaufen tödlich) und die Organspende einen großen gesundheitlichen Nutzen für den Empfänger bringt, erscheint eine Lebendspende vertretbar [3].
Die Lebendspende-Kommission ist in Deutschland zudem dafür zuständig, ethisch fragwürdige Praktiken wie bezahlte oder unter Zwang vorgenommene Organspenden zu verhindern.
Weitere Informationen zur Einschätzung der gesundheitlichen Risiken einer Lebendspende
Stand:
04.11.2009