1) Ablauf der Hämodialyse
1) Hämodialyse

Dialyse: lebenswichtig bis zur Nierentransplantation

Was geschieht, wenn ein chronisches Nierenversagen (Niereninsuffizienz) so weit fortgeschritten ist, dass die Nieren das Blut nicht mehr ausreichend reinigen können? In diesem Fall wird der Arzt Maßnahmen ergreifen, um eine Vergiftung des Körpers mit so genannten harnpflichtigen Substanzen zu verhindern. Dazu stehen als Behandlungsmaßnahmen die Dialyse („Blutwäsche") und die Nierentransplantation zur Verfügung.

2) Ablauf der Peritonealdialyse
2) Peritonealdialyse

Doch welche Vor- und Nachteile haben diese beiden Therapieoptionen? Diese Frage lässt sich am besten beantworten, wenn man beide Verfahren genauer betrachtet.

Dialyse („Blutwäsche")

Eine regelmäßige Dialysebehandlung kann die Ausscheidungs- und Entgiftungsfunktion der Nieren weitgehend ersetzen. Im Gegensatz zu einer Nierentransplantation steht die Dialyse als Behandlungsmöglichkeit sofort zur Verfügung, um lebensgefährliche Verunreinigungen des Blutes zu vermeiden.

Viele Menschen, die dialysepflichtig sind, stehen auf der Warteliste für eine Nierentransplantation. Die Wartezeit für eine Niere beträgt meist mehrere Jahre. Dieser Zeitraum bis zur Transplantation wird durch die Dialyse überbrückt. Aber auch unmittelbar nach einer Nierentransplantation oder bei Transplantierten, deren neue Niere nach einigen Jahren an Leistungsfähigkeit verliert, kann eine Dialysebehandlung notwendig sein. In seltenen Fällen nimmt die neue Niere ihre Arbeit nicht auf, so dass man auf die Dialyse angewiesen bleibt.

Ohne die Dialysebehandlung würden schwerst Nierenkranke, für die nicht schnell genug ein Spenderorgan gefunden wird, versterben. Daher ist die Dialyse lebensrettend. Sie kann jedoch nicht alle Aufgaben der Nieren übernehmen. Dialysepatienten leiden weiterhin unter verschiedenen gesundheitlichen Problemen der Niereninsuffizienz, wie z. B. Störungen des Knochenstoffwechsels, Blutarmut (Anämie), Bluthochdruck und Appetitlosigkeit.

Verschiedene Dialyseverfahren

Um das Blut von unerwünschten Substanzen zu reinigen, gibt es verschiedene Verfahren. Am häufigsten kommen die Hämodialyse und die Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse) zum Einsatz.

Die Hämodialyse ist das mit Abstand am häufigsten angewandte Dialyseverfahren (rund 85 %). Für die Hämodialyse müssen sich die Patienten üblicherweise mindestens dreimal in der Woche über mehrere Stunden in einem Dialysezentrum dialysieren lassen. Bei manchen Patienten ist auch eine Heimhämodialyse möglich. Während einer Hämodialysebehandlung wird Blut des Patienten über einen Schlauch zu einem Dialysegerät geführt und dort von Giftstoffen und überschüssiger Flüssigkeit befreit.

Die Reinigung beruht auf dem physikalischen Prinzip der Diffusion: In einer Flüssigkeit streben gelöste Stoffe danach, sich gleichmäßig in ihr zu verteilen. Innerhalb des Dialysegeräts wird deshalb das Blut des Patienten in ein Gefäß gepumpt, in dem sich - durch eine spezielle Membran getrennt - eine Reinigungsflüssigkeit befindet (Dialysierflüssigkeit). Durch die Membran „wandern" harnpflichtige Substanzen und überschüssiges Wasser, nicht aber Blutbestandteile wie z. B. rote Blutkörperchen, in die Dialysierflüssigkeit. Über einen Schlauch wird das gereinigte Blut wieder in den Blutkreislauf des Patienten geleitet.

Die Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse) können die Patienten selbst durchführen. Dialysierflüssigkeit wird über einen Katheter (Schlauch) in die Bauchhöhle eingeleitet. Giftstoffe und überschüssige Flüssigkeit gelangen aus dem Blut in die Bauchhöhle und werden beim Wechsel der Dialysierflüssigkeit aus dem Körper herausgeleitet. Das in der Bauchhöhle liegende Bauchfell übernimmt bei der Bauchfelldialyse die Rolle der nur für einige Stoffe durchlässigen Membran.

Vorteile der Nierentransplantation

Obwohl die Dialyse ein erprobtes und erfolgreiches Verfahren zur Blutreinigung ist, bevorzugen Mediziner eine Transplantation, um eine chronische Niereninsuffizienz zu behandeln. Gegenüber der Dialyse bietet die transplantierte Niere den Vorteil, dass sie alle Funktionen der erkrankten Nieren übernimmt. Neben der Filterung des Blutes sind dies vor allem die Produktion von Erythropoetin (wichtig für die Blutbildung) und Vitamin D (mitverantwortlich für die Knochenstabilität).

Zudem reinigt eine transplantierte Niere das Blut im Gegensatz zur Dialyse kontinuierlich, wodurch die Blutwerte verschiedener Stoffe nicht so großen Schwankungen unterliegen. Im Rahmen einer Dialysebehandlung häufiger auftretende Erkrankungen wie Knochenstoffwechselstörungen, Blutarmut oder eine verminderte körperliche Leistungsfähigkeit werden durch eine Nierentransplantation meist aufgehalten bzw. gebremst. Insgesamt liegt das Sterberisiko von nierentransplantierten Patienten deutlich unter dem von gleichaltrigen Dialysepatienten (nach vier Jahren um
70 % geringer) [4,5].

Die Nachteile einer Nierentransplantation liegen in der meist langen Wartezeit auf ein Transplantat, den (geringen) Risiken der Operation und der Notwendigkeit, lebenslang Medikamente gegen die Abstoßung (Immunsuppressiva) einnehmen zu müssen, die verschiedene Nebenwirkungen haben können.

Stand:
07.12.2017

Autor, Datum, Quellen

Inhaltlich verantwortlich:
Dr. med. Susanne Rödel

Aktualisiert am:
22.12.2010, 20.05.2014, 07.12.2017

Erstellt am:
10.11.2009

Quellen:
[1] Herold G: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
[2] Rothermann R et al.: Nierentransplantation - Informationsbroschüre für Patienten und Angehörige. Inselspital Bern, Universitätsklinik für Nephrologie und Hypertonie. Bern 2009
[3] Hörl WH et al.: Dialyseverfahren in Klink und Praxis. 6. Auflage, Thieme Stuttgart, Stuttgart 2004
[4] Wolfe RA, Ashby VB, Milford EL et al.: Comparison of mortality in all patients on dialysis, patients on dialysis awaiting transplantation, and recipients of a first cadaveric transplant. N Engl J Med 1999; 341(23): 1725-30.
[5] Port FK, Wolfe RA, Mauger EA et al.: Comparison of survival probabilities for dialysis patients vs cadaveric renal transplant recipients. JAMA 1993; 270(11): 1339-43

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