Linksventrikuläres Herzunterstützungssystem (LVAD) mit implantierter Axialpumpe und Batterien, die außerhalb des Körpers getragen werden.
Beispiel für ein linksventrikuläres Herzunterstützungssystem (LVAD) mit implantierter Axialpumpe

Herzunterstützungssysteme: lebenswichtig bis zur Transplantation

Aufgrund des Mangels an Spenderorganen konnten in den letzten Jahren in Deutschland etwas weniger als 300 Herztransplantationen jährlich durchgeführt werden. Etwa doppelt so viele Patienten standen auf der Warteliste für eine Herztransplantation. Die Wartezeit wird oft mit Herzunterstützungssystemen (künstlichen Herzpumpen) überbrückt. Bei Patienten, die durch Herzrhythmusstörungen bedroht sind, kann ein Mini-Defibrillator implantiert werden. Dieser kann schnelle Herzrhythmusstörungen sofort bei Auftreten wieder beenden. Mit dieser technischen Unterstützung überleben Patienten oft mehrere Jahre.

Herzunterstützungssysteme

Es gibt verschiedene Arten von Herzunterstützungssystemen (Ventricular Assist Devices, VAD). Für jeden Patienten wird individuell ein Gerät ausgesucht, das für seine Herzerkrankung am besten geeignet ist. In Abhängigkeit von der zu unterstützenden Herzkammer implantiert man ein linksventrikuläres (LVAD) oder (sehr selten) ein rechtsventrikuläres (RVAD) Unterstützungssystem. In den meisten Fällen reicht eine Unterstützung der linken Herzkammer mittels LVAD aus.
Benötigen beide Herzkammern mechanische Kreislaufunterstützung so werden sowohl ein LVAD wie auch ein RVAD implantiert und man spricht von biventrikulärer Unterstützung (BVAD). Herzunterstützungssysteme sind elektromagnetisch arbeitende Turbinensysteme unterschiedlich Bauart und Größe, die jedoch alle im Brustkorb zu liegen kommen. Das eigene Herz verbleibt auch. Nach außen geht jedoch eine Verbindungsleitung (Driveline) zum Kontroller und den Akkus. [1]

Bei einem Kunstherz (total artificial heart. TAH) wird das erkrankte Herz fast komplett entfernt und eine künstliche Blutpumpe mit zwei Kammern an Stelle implantiert. Diese TAH-Pumpen sind sehr risikoträchtig (Embolien, mechanischer Defekt) und werden daher nur in Ausnahmefällen bei besonderer Indikation implantiert [1].

Die modernen Herzunterstützungssysteme (LAVD, RVAD) sind mechanisch stabiler und daher für einen längeren Zeitraum einsetzbar als komplette Kunstherzen oder ältere Generationen der Unterstützungssysteme [1].

Häufig wird ein Linksherzunterstützungssystem eingesetzt, wie es in der Abbildung dargestellt ist: Eine Pumpe drainiert Blut aus der linken Herzkammer (dem linken Ventrikel) und pumpt es in die Aorta. Die Pumpe ist über ein Kabel mit einem Kontrollgerät verbunden, das der Patient vor dem Bauch trägt. Für den Betrieb der Pumpe und des Kontrollgerätes muss eine ständige Stromzufuhr gewährleistet sein. Daher tragen die Patienten immer Batterien bei sich, die eine Stromzufuhr von ca. vier bis sechs Stunden gewährleisten [2].

Alle Träger eines Herzunterstützungssystems müssen regelmäßig gerinnungshemmende Medikamente („Blutverdünner“, z. B. Marcumar® und zusätzlich weitere Wirkstoffe) einnehmen, da sich Blutgerinnsel bilden können, wenn Blut in Kontakt mit Fremdstoffen kommt.

Die Überlebenswahrscheinlichkeit ist für Patienten mit Linksherzunterstützungssystemen fast so gut wie nach einer Herztransplantation: Ein Jahr nach dem Einsetzen des Gerätes leben noch ca. 70 % der Patienten, nach einer Transplantation sind es 73 bis 76 % [2,4]. Auch die körperliche Leistungsfähigkeit ist bei beiden Behandlungsverfahren auf vergleichbarem Niveau. In einer Befragung schätzten sich allerdings Herztransplantierte hinsichtlich der Kategorien „körperliche Funktionsfähigkeit“, „Vitalität“ und „psychisches Wohlbefinden“ besser ein als Patienten mit Linksherzunterstützungssystemen [2].

Wichtig ist auch zu wissen: Da sich der Gesundheitszustand nach Einsatz eines Herzunterstützungssystems in der Regel stabilisiert, wird man auf der Warteliste für eine Herztransplantation nicht mehr mit „High Urgency" gelistet. Erst bei Auftreten schwerwiegender Komplikationen am VAD, die einen VAD-Austausch notwendig machen (z. B. Blutung, Systemthrombose, Embolie, technischer Defekt, Rechtsherzversagen am LVAD), ist wieder eine HU-Listung möglich [1].

Mini-Defibrillatoren bei Arrhythmien

Eine weitere Methode der Überbrückung ist ein implantabler, vollautomatischer Mini-Defibrillator, auch Implantable Cardioverter-Defibrillator (ICD) genannt. Er kommt bei Patienten zum Einsatz, die unter gefährlichen Arrhythmien (unregelmäßiger Herzschlag) leiden und eine höhergradig eingeschränkte Pumpfunktion des Herzen haben. Der kleine Defibrillator wird ähnlich wie ein Herzschrittmacher unter die Haut im Brustbereich platziert. Sobald eine gefährliche Arrhythmie (Kammerflimmern) auftritt, gibt der Defibrillator automatisch einen Elektroschock ab. Dadurch kann der Herzschlag wieder in einen regelmäßigen Rhythmus gebracht werden [3].

Stand:
06.12.2017

Autor, Datum, Quellen

Inhaltlich verantwortlich:
Dr. med. Susanne Rödel

Erstellt am:
15.07.2010

Aktualisiert am:
20.05.2014, 06.12.2017

Quellen:
[1] Medizinischer Beirat von „Transplantation verstehen“
[2] Strüber M, Meyer AL, Malehsa D et al.: Situation der Herztransplantation und Weiterentwicklung von Kunstherzen. Dtsch Ärztebl Int 2009; 106(28-29): 471-7. http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=suche&p=Kunstherzen&id=65291 (zuletzt besucht am 11.05.2017)
[3] Zimpfer D, Czerny M, Grimm M et al.: Indikationen zur Herztransplantation. Journal für Kardiologie 2004; 11(Suppl B): 42-43. http://www.kup.at/kup/pdf/4277.pdf (zuletzt besucht am 11.05.2017)
[4] Deutsche Stiftung Organtransplantation http://www.dso.de/ (zuletzt besucht am 11.05.2017)

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