Spender und Empfänger einer Lebendspende
Lebendspende (Seite 3 von 3)

Was sind die Risiken einer Lebendspende?

Generell gibt es keine schwerwiegenden Gründe, die gegen eine Lebendspende sprechen. Sowohl das unmittelbare als auch das langfristige Risiko für den Spender ist sehr gering. Gleichzeitig ist die Prognose eines Organempfängers, der ein Organ von einer lebenden Person erhält, besser als bei Empfängern von Organen verstorbener Menschen.

Allerdings ergeben sich ethische Bedenken, wenn es um Lebendspenden geht: Ein gesunder Mensch begibt sich durch einen solchen Eingriff in eine Gefahrensituation, die für ihn selbst vermeidbar wäre. Das bei einer Operation unumgängliche Restrisiko, z. B. durch Narkose, Infektionen oder andere Umstände, lässt sich nicht ausschalten.

Dennoch versterben nur 0,02 % bis 0,03 %aller Nieren-Lebendspender im Laufe einer Organentnahme, das sind 2 bis 3 von 10.000. Andere Komplikationen im Anschluss an die Operation treten in 0,3 bis 1,0 % der Fälle auf, also bei weniger als 1 von 100 Fällen [1,2].

Bei Lebendspenden von Teilen der Leber treten ebenfalls selten Komplikationen auf. Das Risiko hängt davon ab, wie groß der entnommene Leberteil ist und welcher Leberlappen transplantiert wird. Je mehr von der Leber entfernt wird, desto wahrscheinlicher sind Komplikationen. Es können maximal 60 % der Leber entfernt werden. Wenn der rechte Leberlappen gespendet wird, versterben bis zu 0,5 % der Spender, also 5 von 1.000. Bei Spende des linken Leberlappens versterben etwa 0,09 % der Spender, also 9 von 10.000 [3]. Schwerwiegende Komplikationen nach der Entnahme, z. B. undichte Stellen in den Gallengängen oder Infektionen, treten bei bis zu 15 % aller Leber-Lebendspender auf [1].

Langfristig betrachtet haben Organspender kein erhöhtes Risiko, ein Organversagen zu entwickeln. Menschen, die eine Niere gespendet haben, erleiden also an der verbliebenen Niere genauso selten ein Organversagen wie alle anderen Menschen. [2] Leberspender haben nur ein erhöhtes Risiko für ein Leberversagen, wenn große Anteile der Leber entnommen werden [1].

Im Anbetracht der Tatsache, dass ein gespendetes Organ dem Empfänger ein neues Leben ermöglichen kann, erscheinen die Risiken einer Lebendspende hinnehmbar. Dies ist wahrscheinlich ein Grund dafür, dass der Anteil der Lebendspender in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen ist.

Stand:
02.09.2010

Autor, Datum, Quellen

Inhaltlich verantwortlich:
Dr. med. Susanne Rödel

Aktualisiert am:
02.09.2010

Erstellt am:
19.08.2009

Quellen:

[1] Krukemeyer MG, Lison AE: Transplantationsmedizin. De Gruyter Verlag, Berlin 2006
[2] Segev DL, Muzaale AD, Caffo BS et al.: Perioperative Mortality and Long-term Survival Following Live Kidney Donation. JAMA 2010; 303(10): 959-66.
[3] Walter J, Burdelski M, Bröring DC: Chancen und Risiken der Leber-Lebendspende-Transplantation. Dtsch Arztebl 2008; 105(6): 101-7.