Die Dosis der Immunsuppressiva muss individuell ausbalanciert werden, um eine Abstoßung oder Nebenwirkungen zu vermeiden.
Die Dosis der Immunsuppressiva muss individuell ausbalanciert werden.

Vorbeugung einer Abstoßung

Da das transplantierte Organ für den Körper fremdes Gewebe ist, würde es normalerweise schnell zu einer Abwehrreaktion kommen. Diese Abwehrreaktion des Immunsystems wird auch Abstoßung genannt.

Bereits die Zuteilung von Organen durch die niederländische Stiftung Eurotransplant erfolgt unter der Maßgabe, Abstoßungsreaktionen des Empfängers gegen das Transplantat möglichst gering zu halten (durch die Auswahl immungenetisch möglichst passender Organe, insbesondere bei der Nierentransplantation). Diese Maßnahmen reichen jedoch nicht aus, um Abstoßungen vollständig zu verhindern.

Das Überleben und Funktionieren des neuen Organs im Körper ist nur möglich, wenn die Abstoßung durch Medikamente unterdrückt wird. Diese Medikamente nennt man Immunsuppressiva. Meist werden sie als Tabletten, Kapseln oder Saft eingenommen. Für die Immunsuppression stehen mehrere Wirkstoffe zur Verfügung, die an unterschiedlichen Stellen des Immunsystems ansetzen. In der Regel wird eine Kombination verschiedener Wirkstoffe verabreicht.

Bei der Gabe von Immunsuppressiva ist es besonders wichtig, die richtige Dosis zu finden. Es gilt, Abstoßungsreaktionen zu vermeiden und gleichzeitig die Funktionsfähigkeit des Immunsystems nicht übermäßig herabzusetzen. Wenn das Immunsystem zu schwach ist, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von Infektionen. Außerdem können Immunsuppressiva noch andere Nebenwirkungen haben, die bei höherer Dosierung stärker ausgeprägt sind.

Regelmäßige Untersuchungen (z. B. Blutuntersuchungen, Ultraschall) helfen, die optimale Dosis der Immunsuppressiva zu finden und frühzeitig Abstoßungsreaktionen des Körpers zu erkennen und darauf zu reagieren.

Die Immunsuppressiva müssen lebenslang eingenommen werden. Die Dosis kann allerdings im Laufe der Zeit verringert werden. Jedoch sollte man dies nicht eigenmächtig tun: Über Dosisänderungen kann nur der betreuende Arzt entscheiden.

Hinsichtlich der optimalen Dosierung und der Kombinationen verschiedener Immunsuppressiva sind noch viele Fragen offen. Daher besteht an allen Transplantationszentren ein großes Interesse, Patienten innerhalb von Studien zur Untersuchung dieser Fragen zu behandeln. Zumeist handelt es sich hierbei um die Erprobung neuer Medikamenten-Kombinationen. Nur sehr selten werden Studien durchgeführt, in denen neue, bislang am Menschen unerforschte, Substanzen hinsichtlich Ihrer Wirksamkeit überprüft werden. Wichtig ist es für alle Patienten, eine sehr gute und genaue Aufklärung über den Sinn und Hintergrund einer Studie zu erhalten.

Stand:
05.12.2017

Autor, Datum, Quellen

Inhaltlich verantwortlich:
Dr. med. Susanne Rödel

Aktualisiert am:
02.09.2010, 20.05.2014, 05.12.2017

Erstellt am:
19.08.2009

Quellen:
[1] Krukemeyer MG, Lison AE: Transplantationsmedizin. De Gruyter Verlag, Berlin 2006
[2] Medizinischer Beirat von „Transplantation verstehen"