Die Wartezeit (Seite 2 von 2)

Dass die Überlebensrate des Transplantats bei ca. fünf Jahren (Stand 1991) liegt, sagte man mir, und ich teilte mein Leben gedanklich in Zeiten mit Dialyse und dialysefreie Zeiten ein, wobei ich auch große Hoffnung in die Fortschritte der Medizin setzte.

Es gab 1985 das Internet als Informationsmedium noch nicht in der Form wie heute. Der Besuch einer Selbsthilfegruppe war hinsichtlich Informationen zur Dialysebehandlung hilfreich, zum Thema Transplantation brachte es wenig. Ich war 25, die anderen in der Selbsthilfegruppe meist über 55 bis 60. Auch das erschwerte die Kommunikation. Ich hatte eigentlich das Leben noch vor mir, die Anderen einen wesentlichen Teil des Lebens (Beruf, Familie) schon hinter sich.

Mit meinen 25 Jahren gehörte ich zu den allerjüngsten Dialysepatienten in meinem Zentrum, die meisten waren deutlich älter. Nun hatte ich neben meinem Beruf noch eine „halbe Stelle" im Dialysezentrum.

Unter Dialyse verbesserte sich mein Wohlbefinden zusehends - die zeitliche Belastung ging allerdings komplett von meiner Freizeit ab. Ich habe in der Zeit nicht „aktiv" auf ein Organangebot gewartet, d. h. ich habe versucht, ein normales Leben zu führen - mit den Einschränkungen, die die Dialyse mit sich brachte. Im Laufe der Dialysezeit (und damit der Wartezeit auf ein Organ) stellte sich allerdings im Bereich des Knochenstoffwechsels eine Sekundärerkrankung ein, die meine Mobilität sehr stark eingrenzte und mir mehr zu schaffen machte als die Dialyse an sich. Dass aus den durchschnittlichen zwei Jahren Wartezeit dann fast sechs wurden, führte mir die Problematik der Wartelisten richtig vor Augen. Mehr als je zuvor sah ich die Chance auf mehr Lebensqualität nach der Transplantation. Trotz dieses Handicaps ging ich weiter Vollzeit arbeiten.