Die Wartezeit
Meine „Nierenkarriere" begann im Jahre 1985 im Alter von 25 Jahren. „Sie sind ernsthaft krank" waren die Worte meines damaligen Hausarztes. „Ihre Nierenfunktion geht gegen Null. Sie werden in Kürze dialysepflichtig werden." Vorangegangen waren Monate der Müdigkeit und Schlappheit. In der Endphase des Studiums mit Klausuren und Diplomarbeit war der Sport zu kurz gekommen und meine schlechte Allgemeinverfassung führte ich zunächst darauf zurück. Die Überweisung ins Krankenhaus war nur noch Formsache. Die Dialyse war nicht zu vermeiden, und nun bekam ich auch eine Diagnose: terminale Niereninsuffizienz, Glomerulonephritis bei unklarer Genese. Auf gut Deutsch: Die Niere ist hin und wird sich auch nicht erholen.
Im Krankenhaus wurde ich aufgeklärt, dass es neben der Dialyse als Nierenersatztherapie noch die Transplantation gibt - allerdings verbunden mit Wartezeiten auf ein Organ. 1991 betrugen die Wartezeiten für eine Niere im Durchschnitt zwei Jahre, mit meiner Blutgruppe aber durchaus auch mehr.
Um auf die Warteliste zu kommen, waren viele Untersuchungen nötig.
Die Transplantation bot Chancen, aber es gab auch Risiken zu bedenken. Wie mein Körper auf die Medikamente und auf das fremde Organ reagieren würde, konnte mir keiner vorher sagen. Dass mir irgendwann vielleicht das Organ eines mir fremden Menschen eine bessere Lebensqualität verschaffen würde, war für mich keine Belastung, denn der Organspender tat dies aus freien Stücken und altruistischen Motiven.
Gleichwohl war ich schon damals denen dankbar, die sich zu Lebezeiten mit dem Thema beschäftigt haben und sich im Falle ihres Todes für eine Organspende bereit erklärt haben. Ich selber sah mehr die Chancen auf ein dialysefreies Leben, war doch allein schon die zeitliche Belastung durch die Dialysebehandlung eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität.