Die Operation (Seite 1 von 2)

Die Operation

16. April 1991, 20:30 Uhr

Die ganzen Jahre seit 1985 wusste ich, dass der Anruf für eine Organtransplantation aus dem „Nichts" kommt. Nun war er da. Mein Lieblingsarzt rief mich an und freute sich für mich. Wir trafen uns noch einmal in seiner Praxis, damit ich die Röntgenbilder mit in die Klinik nehmen konnte. Da ich nur fünf Minuten vom TX-Zentrum wohne, war es kein Problem, schnell dort zu sein.

Nun hatte ich fast sechs Jahre dialysiert, war mittlerweile 31 Jahre alt. Die akuten Schwierigkeiten hinsichtlich des Knochenstoffwechsels waren durch die Entfernung der Nebenschilddrüsen abgeklungen, jedoch noch nicht beseitigt. Nach sechs Jahren hatte ich mich doch schon sehr an die Dialyse gewöhnt - nicht an die Dialyse an sich, aber an den Rhythmus und die zeitliche Eingeschränktheit und auch eine gewisse Abhängigkeit von der Maschine. Nun war sie da, die Chance auf eine Transplantation.

Aus Erzählungen wusste ich auch von Fehlalarmen - man wird einbestellt und trotzdem nicht transplantiert. Das kann die verschiedensten Ursachen haben: Man selber hat einen akuten Infekt, das Transplantat ist vorgeschädigt, es passt irgendetwas anderes nicht. Viele Ärzte tauchten auf, blickten auf meine letzten Röntgenbilder und machten einen zunehmend unsichereren Eindruck. „Wir haben große Bedenken, Sie zu transplantieren wegen eines Befundes an ihrer Wirbelsäule" sagte ein Arzt. „Wir meinen, an einer Stelle einen entzündlichen Prozess zu sehen".

Die Störung des Knochenstoffwechsels unter Dialyse wurde mir jetzt ein weiteres Mal bewusst. „Ich warte doch nicht sechs Jahre auf eine Niere, und jetzt wollen sie nicht", sagte ich etwas ungehalten. Ich sah meine Chancen schwinden und bekam natürlich auch selber Bedenken vor der OP.