Die Wartezeit
Schon im Säuglingsalter von nur 4 Monaten stellten Ärzte der Kinderklinik Datteln meine Grunderkrankung fest. Ich hatte eine Verengung in der Harnröhre, welche sich natürlich auf die Funktion meiner Nieren ausschlug.
Die Ärzte verwiesen meine Eltern zu den Spezialisten des Uniklinikums Essen. In den folgenden Jahren versuchte man durch zahlreiche Operationen und Entlastung der Nieren durch beidseitiges Legen von Kathetern der Sache Herr zu werden. Doch schon frühzeitig erklärten die Ärzte meinen Eltern, dass ich irgendwann an die Dialyse müsste und nur eine Nierentransplantation helfen würde.
Doch dank strenger medizinischer Fürsorge und Kontrolle eines damaligen Arztes der Essener Kinderklinik, blieb mir die Dialyse bis zu meinem zehnten Lebensjahr erspart. Meine Eltern machten sich indes schon lange mit dem Thema Organspende vertraut. Sie wollten mir unbedingt schnellstmöglich helfen und selbst spenden. Als Spender kam damals, aufgrund der gleichen Blutgruppe, nur mein Vater in Frage. Aber hierfür gab es natürlich früher viele Hürden zu überwinden.
Mit Hilfe der damaligen Essener Nephrologin, die für transplantierte Kinder zuständig war, gelang es, die Verantwortlichen von dieser Lebendspende zu überzeugen. Am 01.12.1987 war es dann so weit, mein Vater spendete mir eine Niere. Nach vielen anfänglichen Schwierigkeiten und Nachoperationen lief die Niere ab April 1988 so, dass ich aus dem Krankenhaus entlassen werden konnte. Ein Leben ohne Dialyse stand mir nun bevor.
Trotz der widrigen gesundheitlichen Umstände konnte ich, dank meiner Eltern, die sehr offen mit meiner Krankheit in der Öffentlichkeit umgegangen sind, ein fast normales Leben führen. Ich besuchte den Kindergarten und die Schule und spielte wie meine Freunde Fußball, Tennis und Tischtennis in Sportvereinen. Das Kind wegen seiner Erkrankung „in Watte zu packen" war tabu. Wie ich heute weiß, hat mich genau diese Art und Weise geprägt, mit der Krankheit umzugehen. Denn ich kann behaupten, dass ich genau diese Einstellung bis heute selbst gegenüber anderen vertrete und lebe.