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Die ersten Monate

Das sehr pünktliche Einnehmen der Tabletten war für mich nicht schlimm, denn damit bin ich ja groß geworden. Für mich begann ein völlig neues Leben, eines, was ich bis dahin noch nicht kennen gelernt hatte. Ich durfte Dinge tun, an die ich vor der Transplantation noch nicht einmal zu denken gewagt hatte.

Wie zum Beispiel Sport zu machen, oder ins Fitnessstudio zu gehen. Aber das Schönste war, das ich endlich wieder in meinem eigenen Zimmer schlafen konnte. Vor der Transplantation habe ich fast drei Jahre bei meiner Mutter im Wohnzimmer auf dem Sofa schlafen müssen, weil es zu anstrengend war, die Treppe herauf zu gehen. Jetzt konnte ich auch mehrmals hintereinander Treppen rauf und runter laufen ohne ein winziges Problem. 

Da meine Transplantation geradezu bilderbuchmäßig verlaufen war, haben sich die Zeitabstände der Vorstellung im Transplantationszentrum sehr schnell vergrößert.

Nach einem halben Jahr war ich schon bei einem Drei-Monats-Rhythmus.

In einer Reha-Klinik bin ich nicht gewesen, denn 1992 gab es noch keine Klinik, die mit der besonderen Situation nach einer Lungentransplantation umgehen konnte. Damals gab es die Lungentransplantation in Deutschland noch nicht lange. Es musste eine sehr hohe Immunsuppression genommen werden. Daher war auch die Infektionsgefahr bei uns sehr hoch. Ich bin zwei Jahre, egal wo ich hin ging ‑ ob nur zum Bäcker, zur Bank oder in den Supermarkt ‑ nur mit Mundschutz gegangen. Bei Ärzten und in Krankenhäusern trage ich den Mundschutz heute noch.