Die ersten Monate
Ich spüre nun langsam, wie es mir täglich besser geht. Der dicke Bauch mit den Wasseransammlungen ist verschwunden. Ich kann wieder einigermaßen klar denken und auch die Varizen in Speiseröhre und Magen sind wohl verschwunden. Schritt für Schritt normalisieren sich meine Körperfunktionen wieder. Neben der normalen Pflege erhalte ich täglich Krankengymnastik und natürlich ärztliche Betreuung sowie psychologische Unterstützung.
Von Tag zu Tag mache ich Fortschritte. Zuerst wird der Blasenkatheter entfernt, da meine Nieren gut funktionieren und ich bereits allein zur Toilette gehen kann. Dann folgen die Lungen- und Bauchdrainagen und zuletzt der ZVK. Meine Frau darf mich jetzt auch schon ohne Schutzkleidung besuchen.
Schnell nehme ich auch bereits wieder regelmäßig und mit gutem Hunger an den Mahlzeiten teil. Bei meinem „ersten" Frühstück liegen zwei Brötchen auf dem Teller. Ich habe Tränen vor Glück in den Augen, denn ab sofort kann ich wieder normal essen und trinken.
Allerdings muss ich noch lernen, wie ich mit der neuen Situation umzugehen habe:
- Um eine Abstoßung des fremden Organs zu verhindern, muss ich nun lebenslang mit großer Regelmäßigkeit und täglich so genannte immunsuppressive Medikamente einnehmen, welche die Funktionen meines Immunsystems vermindern.
- Ich muss in ständiger medizinischer Nachsorge verbleiben, damit u. a. auch meine Medikamentenspiegel im Blut überwacht werden können und bei Infektionen oder anderen Komplikationen schnell gehandelt werden kann.
- Wichtig ist auch die Hygiene, der Umgang mit Haustieren und Pflanzen in Wohnung und Garten, das Verhalten auf Reisen und der Verzehr bestimmter Nahrungsmittel und noch einige andere wichtige Details, die helfen sollen, mein Überleben mit dem fremden Organ langfristig zu sichern. Gleichzeitig sollen sie meine Lebensqualität aber möglichst wenig einschränken.